Allgemein Festival Filmszene Aktuell

Frauen* Film Fest online

70 aktuelle Filme, Gespräche mit Gästen aus allen Teilen der Welt und viele interessante Themen werden bei der kommenden Online-Ausgabe des IFFF vom 15. bis 20. Juni 2021 im Fokus stehen, deren Programm heute auf der nagelneuen Webseite des Festivals veröffentlicht wurde. Zu Beginn des Jahres hatte das größte Frauenfilmfestival in Deutschland neben einer inhaltlichen Profilschärfung auch ein visuelles Re-Design vollzogen und nicht zuletzt mit Internationales Frauen* Film Fest Dortmund+Köln einen kleinen Namenswechsel vollzogen.

Das Online-Programm wurde soeben auf der neuen Festivalwebsite veröffentlicht:
www.frauenfilmfest.com.

Zu den Highlights des Internationalen Wettbewerbs gehören aktuelle Festivalhits wie Petite Maman, der neue Film von Céline Sciamma, der jüngst seine Weltpremiere bei der Berlinale feierte, und Jasmila Žbanićs Oscar-nominiertes Kriegsdrama QUO VADIS, AIDA? Insgesamt acht Filme sind für den mit 15.000 Euro dotierten Preis nominiert.

Nach der Live-Eröffnung am 15. Juni können alle 70 internationalen Filme bis zum 20. Juni über die Video-on-Demand Platform des Festivals geschaut werden.

PETITE MAMAN
(Céline Sciamma, F 2021) ©Lilies Films

Festivalleiterin Maxa Zoller und ihr Team haben das Dortmunder Festivalbüro in ein kleines Studio umgewandelt: „Wir sehen unser Online-Programm als Chance, das Filmfest ortsungebunden bekannter zu machen und dadurch auch den Kreis des Publikums zu erweitern. Deshalb ergreifen wir unter den gegebenen Umständen diese Gelegenheit – wohl wissend, dass Online-Programme das Filmfest vor Ort nicht oder zumindest nur zum Teil ersetzen können“, so Maxa Zoller. Das Frauen* Film Fest war ursprünglich als Hybrid-Event geplant, muss aber aufgrund der anhaltend unklaren Lage der Kino-Wiedereröffnungen als reine Online-Veranstaltung stattfinden.

Neben dem Fokus »The Connection: Von Pflanzen, Menschen und anderen Tieren«, dem Panorama für aktuelle Dokumentarfilme und der queerfeministischen Sektion begehrt! filmlust queer gehen im Internationalen Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen acht aktuelle Beiträge ins Rennen um den Preis von 15.000 Euro. Die Filmauswahl für Kinder und Jugendliche rückt junge Lebenswelten und individuelle Erfahrungen ihrer Bewohner*innen ins Zentrum. Anmeldungen für das Programm sind ab sofort unter schulfilm (at) frauenfilmfestival.eu möglich. Die neue Sektion Spot on, NRW! stellt Filmschaffende aus NRW vor.

Neben dem Online-Filmprogramm geben tägliche Morgenstatement, abendliche Live-Talks (19:30 Uhr), eine digitale „Wonder-Bar“ sowie Clips, Filmausschnitte und Interviews auf der neuen Homepage und den Social-Media-Kanälen dem Publikum Gelegenheit, mit den Filmemacher*innen und Festivalmacher*innen in Kontakt zu treten.

Viele Filme werden barrierefrei in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt. Das Publikum hat die Wahl zwischen Einzeltickets (5,50 Euro) und verschiedenen Dauerkarten.

„Unsere Filmauswahl fällt in diesem Jahr sehr breit und international aus und vermeidet jede Form von Tokenism oder Nabelschau. Von Oscar-nominierten Spielfilmen reicht das Spektrum bis zum experimentellen Video. Was die Sektionen eint, ist ihr konstruktiver Ansatz – mehr Empowerment als Lamento – und viele Geschichten finden oder bieten ihren Figuren kleine Auswege“, so das Festival in seiner aktuellen Ankündigung.

Die Programmschwerpunkte des Festivals 2021:

Fokus | The Connection: Von Pflanzen, Menschen und anderen Tieren
Der diesjährige Fokus wagt ein Gedanken-Experiment: Wenn auf der Welt alles in einem lebendigen Netzwerk verbunden ist und die Menschen nicht der Mittelpunkt allen Seins sind – wie wäre es, wenn wir versuchen mehr-als-menschliche Perspektiven einzunehmen? Welche Geschichten lassen sich darüber erzählen? Gleichberechtigung in der künstlerischen Haltung zu pointieren und zu praktizieren inspiriert Filmemacher*innen zu neuen Ansätzen, für die wir in diesem Programm einige aufregende Beispiele bereithalten. Was sehen wir, wenn wir andere anschauen? Wie schaut anderes zurück? Der Fokus als filmisches Plädoyer für das große Miteinander. Darunter sind dokumentarische Arbeiten über Donna Harraway, die weltweit Menschen mit ihrem lebensbejahenden Cyborg- und Trans-Spezies-Feminismus inspiriert oder über den Kulturökologen David Abram, der in Becoming Animal (Regie: Emma Davie und Peter Mettler) einlädt, Beziehungen herzustellen mit Tieren und der Welt, die uns umgibt.

Internationaler Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen
Der Wettbewerb präsentiert große Namen wie Jasmila Žbanić mit ihrem Oscar-nominierten Antikriegsfilm Qua vadis, Aida? oder Céline Sciamma mit ihrer magischen Erzählung Film Petite Maman. Auch die beiden lateinamerikanischen Beiträge geben ein Gefühl für das, was sein könnte – jenseits der patriarchalen Ordnung. Die queere coming-of-age-Geschichte Las mil y una (One of a Thousand) von Clarisa Navas aus Argentinien erzählt von einem  Coming-out zwischen Cybermobbing, Gemeinschaftsleben und Armut, Liebe und Gewalt. Die Deutschlandpremiere Aurora von Paz Fábrega aus Costa Rica ist die Geschichte einer ungewollten Schwangerschaft und überzeugt mit tiefem Respekt vor den Charakteren der Darsteller*innen.

QUO VADIS, AIDA?
(Jasmila Žbanić, BA/AT/RO/DE/NL/PL/FR/NO 2020) ©Christine A. Maier/Deblokada

begehrt! – filmlust queer
Wie lässt sich die Idee der „Generationen“ in queeren Kontexten denken? Die Filmauswahl präsentiert dazu sensible und empowernde Dokumentarfilme. Canela von Cecilia del Valle aus Argentinien oder Limiar aus Brasilien von Coraci Ruiz  zeugen von dem unglaublich starken Aufbegehren der Frauen aus Südamerika, die unter enormen Druck einmalige Arbeiten produzieren und auf die Krise mit Filmen über queere Figuren und Familienkonstellation antworten. Ihre Geschichten und Figuren bieten immer einen Ausweg aus der vermeintlichen Sackgasse. Von ihnen können wir viel lernen! 

Panorama
Das Panorama präsentiert eine Auswahl herausragender aktueller Dokumentar- und Experimentalfilme. Hier sind es mehr oder weniger unfreiwillige Neustarts und Ortswechsel, die die Protagonist*innen zu neuen Verortungen zwingen. In Their Algeria von Lina Soualem trennen sich die Großeltern der Filmemacherin nach 62 Jahren Partnerschaft. Ihre Migration nach Frankreich als junges Paar war niemals Thema – jetzt beginnt die Enkelin vorsichtig Fragen zu stellen. Im schweizer-paraguayischen Beitrag Nothing But The Sun von Arami Ullón schaut man einem faszinierenden Audio-Archiv bei der Entstehung zu.  Seit seiner gewaltsamen Vertreibung aus dem Wald nimmt der indigene Ayoreo „Mateo“ Sobode Chiqueno Erinnerungen, Lieder und Zeugnisse anderer vertriebener Ayoreo mit seinem Kassettenrekorder auf. „When you record something, you are taking care of it“.

IN THE NAME OF SHEHERAZADE ODER DER ERSTE BIERGARTEN IN TEHERAN
(Narges Kalhor, DE/IR 2019) ©Narges Kalhor

Spot on, NRW!
Die neue Sektion Spot on, NRW! bietet eine Bühne für Filmemacher*innen und Produzent*innen aus Nordrhein-Westfalen. Dabei möchte das IFFF konkret erfahrbar machen, was es bedeutet, hier als Frau* in der Filmbranche zu arbeiten. In diesem Jahr stellt sich das Kölner Dokumentarfilm-Kollektiv DOKOMOTIVE vor, ein großes Netzwerk der gegenseitigen Unterstützung und vielleicht ein solidarisches Model für die Zukunft der Filmdistribution?

Zum zweiten Mal vergibt das IFFF gemeinsam mit der Gleichstellung der Kunsthochschule für Medien Köln den SHOOT KHM&IFFF Dortmund+Köln Nachwuchspreis für Künstlerinnen der KHM. Mit dem Filmpreis bieten sie aufstrebenden Talenten eine Plattform und finanzielle Unterstützung. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Filmauswahl für Kinder und Jugendliche
Junge Lebenswelten und individuelle Erfahrungen ihrer Bewohner*innen stehen im Zentrum der Filmauswahl mit 11 aktuellen Dokumentar- und Spielfilmen für alle Altersstufen. Die Protagonist*innen sind voller Vorstellungskraft, setzen sich mit der eigenen Identität auseinander und legen dabei Wert auf Chancengleichheit. So nimmt der eindrückliche Film My Name is Baghdad von Caru Alves de Souza das Publikum gemeinsam mit der unvergesslichen jungen Protagonistin Bagdá mit auf einen Skaterflow durch São Paulo.

–>Anmeldungen für das Programm sind ab sofort unter schulfilm (at) frauenfilmfestival.eu möglich.

Zum ersten Mal in Dortmund vergibt das IFFF den ECFA Short Film Award, der von der European Children’s Film Association an einen europäischen Kurzfilm für Kinder verliehen wird.

MY NAME IS BAGHDAD
(Caru Alves de Souza, BR 2020) ©Reel Suspects

In echt und analog: Die FestivalSchauFenster in Dortmund
In drei Dortmunder Schaufenstern zeigt das IFFF Kurzfilme, die sich auf die Verbindung von Pflanzen, Menschen und anderen Tieren einlassen. Die Geschichte von The Infernal Grove (R: Emily Vey Duke & Cooper Battersby, USA 2020) geht etwa so: Wir lieben das Ding, wir nehmen das Ding und bringen es an einen anderen Ort, damit es uns näher ist; und dann bringen wir es um. Meine Liebe (R: Clara Jost, Portugal 2020) ist eine Tomatenpflanze. Und dann sehen wir noch Wölfe und Schafe von oben.

Fasia Jansen Residenz
Die Schwarze Liedermacherin und Friedensaktivistin aus dem Ruhrgebiet Fasia Jansen ist der Ausgangspunkt der Forschung der Kulturproduzentin Marny Garcia Mommertz und der Bildungsreferentin Princela Biyaa. Die beiden Stipendiatinnen sind der Frage nachgegangen, wie Fasia Jansens Leben aus Schwarzen Perspektiven verstanden und verarbeitet werden kann. Geschichten und Arbeiten von Schwarzen Menschen, die Fasia Jansen kannten, helfen ein vollständigeres Bild von Netzwerken Schwarzer Menschen in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs und danach zu erfassen. Zentral ist ein Interview mit Fasia Jansen und der U. S.-amerikanischen Wissenschaftlerin Tina Campt aus dem Jahr 1992, sowie Erzählungen und Gespräche zwischen Mommertz, Biyaa und Fasia Jansens Nichte, Ms. Vivian Seton. In einem Gesprächsabend mit geladenen Gästen berichten die Stipendiatinnen von ihren Erfahrungen während der Forschungsresidenz und stellen ein Ausstellungskonzept vor. Moderation: Fayo Said (Gründerin von Oromia Records, ein Onlinearchiv zu Oromo Kulturen).

Das gesamte Programm ist nun auf der neuen Website abrufbar unter: www.frauenfilmfest.com

Stipendiatinnen Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz ©Adriano Vannini

Im Jahr 2020 war das IFFF das erste Festival in Köln, das wegen der Pandemie verschoben werden musste. Im September konnte die Veranstaltung mit veränderter Schedule im Filmpalast und anderen Spielorten als physisches Event nachgeholt werden. red

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