Filmszene Aktuell

Kölner Kino Nächte 2021

Auch die Kölner Kino Nächte haben eine Zitterpartie hinter sich, doch nun steht fest: Die 13. Ausgabe des Fests der Kölner Kinos, Filminitiativen, Filmfestivals, Verleiher, Kultureinrichtungen und Hochschulen kann stattfinden. Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln müssen allerdings weiterhin beachtet werden.

Insgesamt zehn Spielorte zeigen vom 8. bis zum 11. Juli an vier Tagen und vier Nächten Titel aus aller Herren Länder – etwas weniger Kinos und weniger Programm als gewohnt, was aber angesichts der pandemiebedingten Einschränkungen und der unsicheren Planung nicht verwundert. Das Programm umfasst eine bunte Mischung aus alten und neuen Titeln, aus Klassikern, Previews und Premieren, aus Spielfilmen und Kurzfilmprogrammen.

Den Anfang macht am 8. Juli um 18.30 Uhr der Dokumentarfilm Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit (2020) im Odeon. Die Veranstaltung wird von „Reality Bites – Dokumentarfilme im Gespräch“ präsentiert, zu Gast ist Regisseurin Yulia Lokshina, für die Filmauswahl und die Moderation des Abends zeichnen Studierende der Universität zu Köln verantwortlich. Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit behandelt das Thema von Arbeitsmigration und Leiharbeit am Beispiel osteuropäischer Leiharbeiter*innen, die in den deutschen Schlachthöfen schuften.

Um 19 Uhr am gleichen Tag präsentieren die KHM, das Festival „Tüpisch Türkisch“ und das Kurzfilmfestival Köln den Themenabend „Platz da?/! – (Post-)Migrantische Perspektiven im deutschen Film“ im Museum Ludwig. Die Regisseure Züli Adalag (Elefantenherz, 2002; Wut, 2006) und Mehmet Akıf Büyükatalay (Oray, 2019) diskutieren mit Amin Farzanefar, Festivalleiter von „Tüpisch Türkisch“, über landesweite Strömungen und Standortbestimmungen des (post-)migrantischen Filmschaffens im deutschen Film.

Um 21 Uhr gibt es mit Alle anderen (2009) einen der bisher erst drei Spielfilme der gefeierten Regisseurin Maren Ade (Der Wald vor lauter Bäumen, 2003; Toni Erdmann, 2016) zu sehen. Das Screening des Beziehungsdramas, das in Kooperation mit dem auftakt festival für szenische texte gezeigt wird, ist als Open-Air-Veranstaltung in der Alten Feuerwache geplant, bei Regen steht die Filmpalette als alternative Spielstätte parat. Ades Drama über zwei Paare, die bei einem Urlaub ihre Beziehungen überdenken müssen, wurde 2009 auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Der Rausch: Weltkino Filmverleih

Dies sind jedoch nur einige Beispiele für die Bandbreite der diesjährigen Kino Nächte. In weiteren Veranstaltungen gibt es das Einwandererdrama Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (2020), der dieses Jahr für sechs Oscars nominiert war (8. Juli, 21 Uhr, Cinenova), Thomas Vinterbergs tragikomische Trinkergeschichte Der Rausch (2020), die mit vier europäischen Filmpreisen und dem Auslands-Oscar für den besten internationalen Film ausgezeichnet wurde (10. Juli, 21 Uhr, Cinenova), und Bad Lucking Banging or Loony Porn (2021), den diesjährigen Gewinner des Goldenen Bären (10. Juli, 21:30 Uhr, MAAK – Museum für Angewandte Kunst Köln), zu sehen.

Neben der aktuellen Award-Ware gibt es aber auch ältere Filme (wieder) zu entdecken. Da wäre beispielsweise Almut Gettos Debütfilm Fickende Fische (2002), den das Filmforum im Museum Ludwig am 9. Juli um 21.30 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin und des Produzenten Herbert Schwering zeigt. Wer anstelle von deutschem Coming-of-Age-Kino lieber die Steven-Soderbergh-Variante eines Rachethrillers sehen möchte, der wird direkt davor mit The Limey (1999) bedient, in dem Terence Stamp als alternder britischer Krimineller Nachforschungen zum Tod seiner Tochter in Los Angeles anstellt. Das Ganze findet als Kooperation zwischen der ifs internationale filmschule Köln und dem Festival Edition statt: Um 19 Uhr, ebenfalls im Filmforum im Museum Ludwig, wird nicht nur der Film gezeigt, sondern der Kölner Editor Daniel Scheuch diskutiert anschließend mit Edimotion-Kurator Werner über die Montage von Soderberghs Werk. An gleicher Stelle wie die ifs-Begegnung Edimotion ist am Samstag, den 10. Juli, noch ein bemerkenswertes Double Feature zu sehen: Erst wird die deutsche Crossdressing-Komödie Viktor und Viktoria (1933) gezeigt, anschließend das knapp 50 Jahre später entstandene US-Remake Victor/Victoria (1982), in dem Genrespezialist Blake Edwards die Geschichte mit neuen Akzenten und interessanten Verschiebungen erneut erzählt (Original: 19 Uhr; Remake: 21:15 Uhr).

The Limey: Highlight/Koch Films

Die vier Kinotage und vor allem -nächte bieten also ein breit gefächertes Programm, für das man entweder ein Kombiticket erwerben kann, das für alle Programmpunkte gültig ist (sofern der Platz ausreicht). Es können aber auch Einzeltickets für Veranstaltungen gelöst werden, einige davon sind kostenlos. Aufgrund der pandemiebedingten Platzeinschränkungen wird eine frühzeitige Reservierung empfohlen.

Alle weiteren Infos zu Tickets, dem Programm und den einzelnen Filmen gibt es auf der Homepage des Kinofests.

Nils Bothmann

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