Festival Filmszene Aktuell

Festivaltradition und neue Ästhetiken: Das 15. Kurzfilmfestival Köln

Vom 16. bis zum 21. November dauert das 15. Kurzfilmfestival Köln (KFFK). An insgesamt sechs Spielstätten (Filmhaus, Filmforum NRW im Museum Ludwig, Lichtspiele Kalk, Odeon Kino, OFF Broadway, The Cage) werden über 100 Arbeiten gezeigt. Je nach Spielstätte unterscheiden sich die Hygieneregeln leicht, die mal nach dem 3G, mal nach dem 3G+-Prinzip funktionieren – bei 3G+ kann auf die Maskenpflicht abseits des Platzes verzichtet werden.

Das Eröffnungsprogramm wird am Dienstag, den 16. November im neu eröffneten Filmhaus gezeigt, das auch die Festivalzentrale beherbergt. Start ist um 19 Uhr. Zuvor kann man bereits zwei anderen Programmpunkten beiwohnen, die jeden Tag von 17 bis 23 Uhr im Filmhaus stattfinden. Zum einen gibt es eine Virtual Reality Ausstellung, in der man mit entsprechenden Brillen alle Formen von Spiel-, Animations-, Experimental- und Dokumentarfilmen, darunter sowohl 360°-Filme als auch echtzeitgenerierte 3D Experiences (6DoF), erleben kann. Zum anderen gibt es aus „15 aus 15 – Jubiläumsloop“. Für diesen Programmpunkt haben 15 (ehemalige) Mitarbeiter*innen, darunter Praktikant*innen, Designer*innen, Fahrer*innen und die Geschäftsführung, ihre Lieblingsfilme aus 15 Jahren Festivalgeschichte ausgewählt, präsentierten 15 verschiedene Blicke auf den Kurzfilm und das Festival.

Der Spagat zwischen Festivaltradition und Blick in die Zukunft findet sich auch in anderen Teilen des Programms. Im deutschen Wettbewerb konkurrieren 28 Filme unter 45 Minuten um mehrere Preise, die teilweise von einer Fachjury, teilweise vom Publikum vergeben werden. Unter dem Label „Best of Festivals“ sind drei Programmblöcke mit insgesamt 14 Shorts zu sehen, die auf verschiedenen größeren und kleineren Festivals international für Furore sorgten. Darunter sind der taiwanesische Animationsfilm Night Bus (2020), der französische Dustin (2020) über Techno und Transgender und All the Crows in the World (2021), der in Cannes die Goldene Palme für den Besten Kurzfilm in diesem Jahr gewann.

Mit den zwei Blöcken des Programmpunkts „New Aesthetic“ schaut man dagegen stark in Richtung Zukunft. Die dort versammelten Werke suchen neue Ansätze, entwerfen alternative Visionen und suchen Systemveränderungen, gerade mit Blick auf die Beziehung des Menschen zum Rest der (Um-)Welt. Einige Experimentalfilme spielen mit der Medialität des Films an sich: A Very Long Exposure Time (2020) nutzt verschiedene Darstellungsformen, darunter „veraltete“ Grafikoberflächen wie frühe, pixelschwache Spielekonsolen oder frühe Smartphones, der dialogfreie One Thousand and One Attempts to Be an Ocean (2021) simuliert die Wahrnehmung einer Welt ohne Tiefe. Andere Werke sind politisch, wie Cop Choppers (2020), der sich auf die „Black Lives Matter“-Proteste bezieht, oder Planetary Personhood (2020), in dem verhindert werden soll, dass der Mars im Zuge seiner Kolonisierung ähnliche Umweltzerstörung erfährt wie die Erde.

Wobei viele dieser Krisen keine Dystopien sind, sondern schon im Hier und Heute stattfinden. Deshalb trägt das Gastprogramm der SK Stiftung Kultur den Titel „Zustand: Krise“. Darin geht es um tagesaktuelle Ausnahmezustände wie die Klimakrise, Flutkatastrophen oder die Pandemie, aber auch persönliche Umbruchssituation und Krankheitsbilder. Darunter sind Werke mit für sich sprechenden Titeln wie Lockdown Anthem (2020) und Quarantine Mood (2020).

Transformers: The Premake

Einem Analysten der cineastischen Gegenwart ist das diesjährige Spotlight gewidmet, dem US-amerikanischen Filmemacher und Filmkritiker Kevin B. Lee. Sein 25-minütiger Videoessay Transformers: The Premake (2014) veranschaulicht anhand von Videos zum vierten Teil der Michael-Bay-Actionreihe die Arbeitsmechanismen der Blockbusterindustrie und hob das Genre des Desktopfilms aus der Taufe, welches – Ironie der Geschichte – bald von Hollywoodfilmen wie Unknown User (2014) oder Searching (2018) bedient wurde. Arbeiten wie The Spielberg Face (2011) und The Career of Paul Thomas Anderson in Five Shots (2012) beschäftigen sich mit den titelgebenden Filmemachern; Mourning with Minari (2021) stellt den diesjährig oscarprämierten Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (2020) und einen antiasiatischen Amoklauf, der nur einen Tag nach der Bekanntgabe der Nominierungen stattfand, gegenüber: Welche Bilder machen sich Medien von Amerikaner*innen asiatischer Herkunft?

Der Programmpunkt „Shorts on Wheels“ trägt den Kurzfilm aus den Kinosälen heraus: Bei einer Fahrradtour mit Beamer werden Stops eingelegt und Kurzfilme an Hauswände projiziert. Aus organisatorischen Gründen ist die Anzahl der Teilnehmer*innen begrenzt, eine Anmeldung nötig. Termin des Kurzfilmprogramms auf zwei Rädern ist der 20. November, Beginn ist um 18.30 Uhr. Bereits ausgebucht ist der Trickfilmworkshop für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Er ist Teil einer Kooperation zwischen dem KFFK und dem Kinderfilmfestival Cinepänz, die außerdem zwei Kinderkurzfilmprogramme umfasst.

In der Programmsektion „Kölner Fenster“ sind Werke „aus eigenem Anbau“ zu sehen, darunter Abschlussfilme der Kunsthochschule für Medien (KHM) und der ifs internationale filmschule köln. Etwa der Animationsfilm Winter Colours (2020) über eine Kindheit in Polen oder Jackfruit (2020), die Geschichte der 23-jährigen Mít, die ihre Identitäten als traditionsbewusste, vietnamesische Tochter und queere Berlinerin balancieren muss. Der Länderfokus liegt in diesem Jahr auf den Niederlanden, präsentiert vom dortigen IMPAKT Festival.

Außerdem im Programm: Eine Party zum 15-jährigen Jubiläum des Festivals am 19. November und natürlich die Preisverleihung am 18. November.

Weitere Infos zum Programm, den Beiträgen und zum Ticketerwerb gibt es auf der Homepage des Festivals.

Nils Bothmann

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