Festival Filmszene Aktuell

Verträumte Dauerbrenner, surreale Neuentdeckungen

Seit Jahren präsentiert das Fantasy Filmfest, dessen Haupttermin im Herbst liegt, auf zwei Ablegerveranstaltungen auch in der ersten Jahreshälfte einen Kessel Buntes in Sachen Genrefilm. Zeitlich zuerst dran sind wie immer die Fantasy Filmfest White Nights, der jüngste Spross der FFF-Familie dran, dieses Jahr am 3. und 4. Februar, wie gewohnt in der Residenz Astor Filmlounge.

Bei insgesamt zehn Filmen an zwei Tagen sind viele Dauerbrenner des FFF vertreten. Kaum mehr wegzudenken ist Quentin Dupieux, der unter anderem schon mit Smoking Causes Coughing (Fantasy Filmfest Nights 2023), Mandibles (Fantasy Filmfest 2020) und Incredible But True (Fantasy Filmfest Nights 2022) im Festivalprogramm reüssierte. Heuer ist er mit Daaaaaali! (2023), der sich natürlich nicht um gängige Biopic-Konventionen schert, sondern stattdessen zum typisch verschrobenen Humor des französischen Regie-Exzentrikers passt, der den titelgebenden Künstler in gleich fünf verschiedenen Inkarnationen auftreten lässt (Sonntag, 4. Februar, 13 Uhr).

Daaaaaali! (Copyright: Kinology)

Der Norweger Kristoffer Borgli war mit der bösen Influencer-Komödie Sick of Myself (2022) bereits beim Fantasy Filmfest 2022 vertreten, ein Dauergast ist aber vor allem sein Hauptdarsteller aus Dream Scenario (2023) – Nicolas Cage. Der war unter anderem als rächender Koch in Pig (2021) auf dem FFF 2021 und als diabolischer Entführer in Sympathy for the Devil (2023) auf dem FFF 2023 zu sehen. Hier spielt verzichtet er weitestgehend auf sein berühmtes Overacting, wenn er den Biologiedozenten Paul Matthews als einen Biedermeier mit Fusselbart, Halbglatze und Kassengestellbrille verkörpert, der Berühmtheit erlangt, als er in den Träumen unzähliger Mitmenschen auftaucht. Der geltungssüchtige Möchtegern-Autor genießt die Aufmerksamkeit und will dadurch einen Buchvertrag an Land ziehen, doch Hochmut kommt in dieser Social-Media- und Internetruhm-Satire vor dem Fall (Samstag, 3. Februar, 19.45 Uhr).

Ein ganz besonderes Wiedersehen bietet Nightwatch: Demons are Forever (2023). Rund 30 Jahre nach seinem Hit Nightwatch – Nachtwache (1994) kehrt Regisseur und Drehbuchautor Ole Bornedal zu dem Stoff zurück: Die Tochter der Protagonist*innen des Erstlings ist inzwischen selbst Medizinstudentin und übernimmt wie dereinst Papa die Nachtwache im forensischen Institut. Wiederholt sich die Geschichte um den Serienkiller Wörner? Geht ein Nachahmungstäter um? Oder bildet sich die Protagonistin sich all das nur ein? Bornedal reflektiert nicht nur das Original in diesem späten Sequel, sondern konnte auch die Originalbesetzung wieder reaktivieren (Samstag, 3. Februar, 21.45 Uhr). Wesentlich schneller fortgesetzt wurde Alienoid (2022). In Alienoid: Return to the Future (2024) wird der schräge Genre-Mix aus Korea, der einfach alles auf die Leinwand wirft, weitergeführt. Es gibt also Schwertkämpfe, Monster, Autos, Knarren, Raumschiffe, Zeitreisen und noch vieles mehr im Überfluss im zweiten Teil des grellen Spektakels (Samstag, 3. Februar, 17.15 Uhr).

The Last Stop in Yuma County (Copyright: Well Go USA)

Doch es gibt auch faszinierende Stoffe ohne alte Bekannte. Etwa Hundreds of Beavers (2022), in dem sich ein angehender Pelzjäger mit menschengroßen Tieren herumschlagen muss, die von Menschen in klar erkennbaren Plüschkostümen verkörpert werden. Noch dazu ist das Ganze ein schwarzweißer Stummfilm, der in Materialität und Stil auf Vorbilder wie Charlie Chaplin und Buster Keaton verweist – eine surreale Komödie, quasi ein Real-Life-Looney Tunes in der Low-Budget-Variante. Bugs Bunny und Elmar Fudd schicken ihre Grüße (Samstag, 3. Februar, 15 Uhr). Reduziertes Filmemachen anderer Art bietet der US-Thriller The Last Stop in Yuma County (2023), der sich auf eine einzige Location, nämlich ein Diner in einer Wüste konzentriert. Ein reisender Messerverkäufer und eine Kellnerin werden Geiseln von zwei Verbrechern auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit, doch vorerst sitzen alle handelnden Personen fest in dem Imbiss. Mit Reduktion in Sachen Location und Personal, ohne große Namen erzählt Regisseur Francis Galluppi dieses wendungsreiche Spannungskino mit Western-Anleihen (Sonntag, 4. Februar, 14.45 Uhr)..

Der Rest des Programms im Schnelldurchlauf: I’ll Crush Y’All (2023) liefert Fratzengeballer unter Gangstern auf den Spuren von Tarantino und dessen Epigonen aus Spanien (Sonntag, 4. Februar, 21.15 Uhr); im portugiesischen Amelia’s Children (2023) kommt ein früherer Waisenjunge auf die Spur seiner biologischen Familie, sucht diese gemeinsam mit seiner Freundin auf, bereut die Reise in die eigene Vergangenheit und zum abgeschiedenen Landhaus von Mutter und Zwillingsbruder bald (Samstag, 3. Februar, 13.00 Uhr); in dem kanadischen Psychothriller Red Rooms (2023) verfolgen zwei Frauen aus unterschiedlichen Methoden einen Prozess gegen einen Kindermörder, Sexualstraftäter und Snuff-Filmer aus unterschiedlichen Gründen (Sonntag, 4. Februar, 16.45 Uhr); When Evil Lurks (2023) bietet derb-blutige Kost um dämonische Besessenheit aus Argentinien (Sonntag, 4. Februar, 19.15 Uhr).

Alle Infos zum Programm, zu den Filmen und zum Ticketerwerb gibt es auf der Homepage des Festivals.

Nils Bothmann

Veranstalter*innen

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