Filmszene Aktuell

Kino Latino 2026: Geschichten eines Kontinents

Das Filmfestival präsentiert vom 12. bis zum 17. Juni aktuelle Stimmen aus Lateinamerika – politisch, poetisch und voller Überraschungen.

Von Werner Busch.


Lateinamerika erscheint in europäischen Nachrichten oft als Schauplatz politischer Krisen, wirtschaftlicher Probleme oder gesellschaftlicher Konflikte. Das Kino erzählt andere Geschichten. Es interessiert sich für Menschen, ihre Träume, ihren Alltag und die Widersprüche ihrer Lebenswelten. Genau diese nahbare Vielfalt macht das Festival Kino Latino seit Jahren in Köln sichtbar. Im Filmhaus gibt es vom 12. bis zum 17. Juni wieder eine große Auswahl an lateinamerikanischen Filmen.

Auch die diesjährige Ausgabe versammelt Filme aus verschiedenen Ländern des Kontinents, die unterschiedliche Perspektiven und filmische Handschriften mitbringen. Gemeinsam ist ihnen die Neugier auf ihre Figuren und die Bereitschaft, vertraute Bilder von Lateinamerika zu hinterfragen.

Zur Eröffnung zeigt das Festival Marcelo Martinessis „Narciso“. Der Film führt ins Paraguay der späten 1950er Jahre. Während die Diktatur Alfredo Stroessners das Land prägt, entdeckt ein junger Mann die Kraft der Musik. Rock’n’Roll wird zum Symbol einer neuen Zeit, die selbst dort spürbar wird, wo politische und gesellschaftliche Strukturen scheinbar unverrückbar erscheinen. Martinessi verbindet persönliche Geschichte und Zeitgeschichte zu einem atmosphärischen Porträt eines Landes im Wandel.

Ein weiterer Höhepunkt ist Clarisa Navas‘ Dokumentarfilm „El príncipe de Nanawa“. Über viele Jahre begleitet die Regisseurin einen Jungen aus einer indigenen Gemeinschaft im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Argentinien. Der Film entwickelt daraus ein eindrucksvolles Langzeitporträt, das Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Wandel stellt. Ohne große Gesten entsteht das Bild einer Region, die im internationalen Kino nur selten sichtbar wird.

Mit „Moscas“ richtet sich der Blick nach Mexiko. Fernando Eimbcke erzählt von einer Reise durch Mexiko-Stadt und findet dabei eine ungewöhnliche Balance zwischen Melancholie und trockenem Humor. Die Millionenmetropole erscheint weder als Bedrohung noch als Postkartenkulisse, sondern als lebendiger Organismus voller Zufälle und Begegnungen.

Vielfalt zeichnet das Programm von Kino Latino schon immer aus. Historische Stoffe stehen neben zeitgenössischen Erzählungen, Dokumentarfilme neben Spielfilmen. Manche Werke greifen politische Themen direkt auf, andere nähern sich gesellschaftlichen Fragen über persönliche Geschichten. Gemeinsam eröffnen sie Einblicke in Lebensrealitäten, die im europäischen Kinoalltag selten präsent sind. Das Festival ermöglicht Begegnungen mit Filmen, die abseits der großen internationalen Verwertungsketten entstehen. Ein Pflichtprogramm für alle neugierigen Cineasten.


Das Programm:

Fr. 12.06., 20 Uhr Narciso (OmeU) – mit Gästen

Sa. 13.06., 18:30 Uhr Patrol

Sa. 13.06., 21 Uhr Ruas Da Glória (OmdtU)

So. 14.06., 17 Uhr El Príncipe de Nanawa (OmeU)

Mo. 15.06., 18.30 Uhr I Built a Rocket Imagining Your Arrival (OmeU)

Mo. 15.06., 20.15 Uhr Punku (OmeU) – mit Gästen

Di. 16.06., 19 Uhr Moscas (OmdtU) 

Di. 16.06., 21 Uhr Un Cabo Suelto (OmeU)

Mi. 17.06., 20 Uhr Wir, die Wolfs (OmdtU) – mit Gästen


Titelbild: Punku © J.D. Fernandez Molero

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