Wie kommt ein Debütfilm heute noch zustande? Beim Filmbüro-Symposium »Debütfilm – Was geht?« im Kölner Filmhaus berichteten Filmschaffende, Förderinstitutionen, Sender, Produzent:innen und Verleiher von langen Entwicklungswegen, knappen Budgets und der schwierigen Suche nach Sichtbarkeit. Nicolas Ehrets Morgen war Krieg, dessen Weg von der ersten Drehbuchfassung bis zum Kinostart mehr als zehn Jahre dauerte, wurde dabei zum exemplarischen Fall für die Herausforderungen, vor denen junge Filmemacher:innen heute stehen.
Von Frank Olbert.
Am 24. September 2026 lief Nicolas Ehrets Film „Morgen war Krieg“ in den deutschen Kinos an. Dieses Langfilmdebüt des Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg zeichnet ein dystopisches Zukunftsbild, das Ehret nicht sehr weit entfernt von unserer Gegenwart ansiedelt: Die EU ist zerfallen, in Deutschland haben sich Rechtspopulisten der Regierung bemächtigt, und während nun ein Krieg droht, entscheidet der 33-jährige Jonas, sich der Rekrutierung durch die Armee zu entziehen. Ein ziemlich brisanter Film also, der voller aktueller Bezüge steckt – das Drehbuch dazu hat der Autor und Regisseur allerdings schon vor mehr als zehn Jahren geschrieben.
Nicolas Ehret war nun einer der Referent*innen des Symposiums „Debütfilm – Was geht?“, das vom Filmbüro NW im Kölner Filmhaus veranstaltet wurde. Am 1. Oktober berichteten dort junge Filmemacher*innen von ihren Anstrengungen, erste Filme auf die Beine zu stellen. Dass die Bedingungen dafür immer ungünstiger ausfallen, führte Sonja Hofmann, Geschäftsführerin des Filmbüro NW, als Anlass für die Veranstaltung an. Debütfilme, sagt sie, sollten ein Wagnis sein, sie dürften und sollten etwas ausprobieren, und dafür benötigten sie Partner.
10 Jahre um den Debütfilm kämpfen
Dass die Suche nach solchen Partnern – nach Förderern, Produzenten, Verleihern und auch ideellen Kollaborateuren – in Zeiten einer sich massiv wandelnden Medienlandschaft kraft-, nerven- und zeitraubend sein kann, dafür war eben Nicolas Ehret ein markantes Beispiel. Zur Illustration seines langen Weges zum fertigen Film projizierte er eine Zeitleiste auf die Leinwand im Filmhaus-Kino: 2015, am Beginn dieser Reise, stand nicht allein ein Drehbuch, sondern auch die Zusage des renommierten Schauspielers Ulrich Matthes, die zweite Hauptrolle in „Morgen war Krieg“ zu übernehmen. Doch weil Geldgeber reihenweise absagten, weil das Kriegsthema vor zehn Jahren weit weg erschien, weil er bei einer WDR-Sitzung zur Debütfilmförderung durchfiel und ein ganzes Jahr warten musste, bevor er seine Idee erneut einreichen konnte, weil er das Drehbuch ungezählte Male umschreiben musste, verging mehr als ein ganzes Jahrzehnt. Auch weil er zwischendurch Vater wurde und irgendwie Geld reinkommen musste, stellten sich Ehret durchaus existenzielle Fragen: „Wie lange kann man dieses Spiel mitmachen?“
Dass die Leidenschaft, die man für die Herstellung eines Filmdebüts aufbringt, irgendwann auf dem harten Boden der Realität aufprallt, das war die Erfahrung, von der die Teilnehmer*innen des Symposiums durchgängig berichteten. Debüts entstehen zwischen Extremen, zwischen Euphorie und Depression, zwischen der optimistischen Erwartung, nach einem langen Studium zum Beispiel endlich in der Praxis anzukommen, und dem Zweifel, ob dies jemals klappt.
Weil die „Dringlichkeit“ so übermächtig war, mit dem Film zu beginnen, mal „was zu wagen“ und endlich loszulegen, wartete Katharina Huber nach der ersten Förderung mit 100.000 Euro keine weitere Unterstützung mehr ab: Für die Dreharbeiten zu „Ein schöner Ort“ machte sie Schulden, berechnete ihre eigene – unbezahlte – Arbeitskraft als Eigenanteil und zahlte allen Beteiligten den gleichen Mindestlohn, ob Kameramann oder Koch. Obwohl sie keinen Verleih fand, reüssierte der Film auf Filmfestivals wie Locarno. Auf diese Weise konnte sie ihre Schulden wieder begleichen.
11 Jahre von der ersten Idee bis zum Kinostart: Nicolas Ehrets „Morgen war Krieg“ feierte jüngst seine Köln-Premiere. Foto: Conny Beißler | Filmbüro NW
Die Rolle der Förderer
Debüts sollen schneller realisiert werden und besser ausgestattet. Das ist ein Ziel des Kuratoriums des jungen deutschen Films, das es bereits seit den Zeiten des Oberhausener Manifests am Beginn der 1960er-Jahre gibt. Seit diesem Jahr aber ist die Förderung des sogenannten Talentfilms vollständig an die von allen Bundesländern getragene Stiftung übergegangen. Das Kuratorium verfügt über ein Budget von mehr als neun Millionen Euro, und wie Christina Bentlage, die geschäftsführende Direktorin, auf dem Kölner Symposium erläuterte, wird das Geld sowohl auf Lang- wie auf Kurzfilme verteilt. Die dafür zuständigen Jurys, so Bentlage, stünden vor einem immer größer werdenden Problem: Die Zahl der Anträge wächst, aktuell gebe es für das zweite Halbjahr mehr als 500 Einreichungen. Man brauche Zeit, um aus dieser Masse die Projekte herauszufiltern, die gefördert werden sollten – Zeit, in der die Antragsteller sich fragen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen oder welchen Job sie zur Überbrückung ihrer Finanzflaute annehmen sollten.
Auf drei Panels wurde die Situation des Debütfilms diskutiert. Neben Christina Bentlage vom Kuratorium junger deutscher Film repräsentierten Mariana Schneider von Hessen Film & Medien und Dominik Tschütscher vom Österreichischen Filminstitut die Perspektive von Förderinstitutionen: Hessen zum Beispiel setzt auf eine sogenannte Paketförderung, die erlaubt, dass junge Firmen bis zu fünf Projekte gleichzeitig einreichen können. Österreich hat unterdessen ein „Talent LAB“ eingerichtet, das die Einreichenden durch ein regelrechtes Curriculum führt. Von der Stoffentwicklung bis zur Kalkulation der Drehbarbeiten leistet es wertvolle Praxishilfe, die auch bei der Erstellung überzeugender Anträge unterstützt.
Eines von drei großen Themenpaneln des Tages: Über die Rolle der Förderer sprachen Christina Bentlage vom Kuratorium junger deutscher Film, Mariana Schneider von Hessen Film & Medien und Dominik Tschütscher vom Österreichischen Filminstitut, Foto: Conny Beißler | Filmbüro NW
Sender, Produzenten – und die Rolle der Verleiher
Für die Sender und Produzenten sprachen anschließend Alexandra Krampe (Julex Film/ PROG Producers of Germany), Melanie Andernach (Made in Germany), Christian Bauer (Saarländischer Rundfunk) und Götz Vogt (WDR). Letzterer wies auf die die zunehmende Bedeutung der Mediatheken im Vergleich zum linearen Fernsehen hin. Auch Debütfilme seien dort zeitunabhängig abrufbar, so dass die Mediatheken möglicherweise dem nachhelfen könnten, was Melanie Andernach forderte: dem Nachwuchs mehr „Sichtbarkeit“ zu verleihen. Allerdings herrsche auch in den Mediatheken ein wachsender kommerzieller Anpassungsdruck, während die Freiheiten abnehmen, so Vogt. Für keine gute Idee hält es entsprechend Krampe, alles Geförderte direkt in die Mediatheken zu stellen. Talentfilme gehörten erst einmal ins Kino und auf Festivals.
Wie also erreichen Debüts ihr Publikum? Mit dieser Frage beschäftigte sich zum Abschluss des Symposiums das Panel der Verleiher. Hier diskutierten Joachim Kühn von Realfiction, Christos Acrivulis von MissingFILMS und Stefco Escofet von Dokomotive – einer Plattform im Netz, die für den vielfach unterbewerteten Bereich des Dokumentarfilms versucht, eine Gemeinde zu erschließen. „Community Building“ ist für Escofet das Stichwort, dem er gleich ein zweites hinzufügt: Indem seine Plattform Zuschauer mit Dokumentarfilmen bekannt mache, die mit dem Genre nie in Berührung kamen, betreibe sie zugleich „Filmbildung“. Auf die besonderen Bedingungen, unter denen Filme an ihr Publikum jenseits des Netzes gelangen, wies unterdessen Kühn hin: Keine andere Kunstform müsse sich so wie der Film am Markt bewähren, denn Kinobetreiber seien schließlich Gewerbetreibende, die auf ihre Bilanz achten müssten. Im Hinblick auf den Debütfilm bedeute das: „Darauf wird man viel zu wenig vorbereitet.“
Filmemacherin Jelena Ilić (r.) und Produzentin Melanie Andernach sprachen über ihren Dokumentarfilm „Eine Krankheit wie ein Gedicht“, der am 8. Oktober seinen Kinostart hat, Foto: Conny Beißler | Filmbüro NW
Positive Stimmung und ein volles Haus
Veranstaltungen wie das Kölner Symposium sind sicher Maßnahmen, die diesem Mangel entgegenwirken. Wie groß das Bedürfnis nach Information und Austausch ist, zeigte allein der Zuspruch zu diesem Tag im Filmhaus: Die Plätze im Kino waren restlos belegt. Dabei gelang dem Symposium ein Balanceakt: Leicht hätte die vielfach geäußerte Kritik an den schwierigen Rahmenbedingungen für den Debütfilm in jene Depression abrutschen können, die mancher beklagt. Dem aber standen Beispiele erfolgreicher Bewältigung von Krisen gegenüber, die Mut machten: Jelena Ilićs Film „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ etwa, der zwar ein gravierendes persönliches Problem der Autorin und Regisseurin zum Gegenstand hat, nämlich die psychische und körperliche Krankheit des eigenen Vaters. Und doch hat es dieser von Melanie Andernach produzierte Film geschafft, vom ersten Mentorenprogramm für weibliche Filmschaffende, „Into the Wild“, bis hin zum Publikumspreis beim Max-Ophüls-Festival und zum Kinostart am 8. Oktober zielstrebig voranzuschreiten.
Und auch Ehrets „Morgen war Krieg“ hat es schließlich bis in zum Kinostart gebracht. Sonja Hofmann vom Filmbüro NW hat vermutlich Recht, wenn sie sagt, dass bei einem Job wie diesem die Probleme auch über das Debütstadium hinaus nicht unbedingt kleiner würden. Auch für eine Doris Dörrie nicht.
Wie kommt ein Debütfilm heute noch zustande? Beim Filmbüro-Symposium »Debütfilm – Was geht?« im Kölner Filmhaus berichteten Filmschaffende, Förderinstitutionen, Sender, Produzent:innen und Verleiher von langen Entwicklungswegen, knappen Budgets und der schwierigen Suche nach Sichtbarkeit. Nicolas Ehrets Morgen war Krieg, dessen Weg von der ersten Drehbuchfassung bis zum Kinostart mehr als zehn Jahre dauerte, wurde dabei zum exemplarischen Fall für die Herausforderungen, vor denen junge Filmemacher:innen heute stehen.
Von Frank Olbert.
Am 24. September 2026 lief Nicolas Ehrets Film „Morgen war Krieg“ in den deutschen Kinos an. Dieses Langfilmdebüt des Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg zeichnet ein dystopisches Zukunftsbild, das Ehret nicht sehr weit entfernt von unserer Gegenwart ansiedelt: Die EU ist zerfallen, in Deutschland haben sich Rechtspopulisten der Regierung bemächtigt, und während nun ein Krieg droht, entscheidet der 33-jährige Jonas, sich der Rekrutierung durch die Armee zu entziehen. Ein ziemlich brisanter Film also, der voller aktueller Bezüge steckt – das Drehbuch dazu hat der Autor und Regisseur allerdings schon vor mehr als zehn Jahren geschrieben.
Nicolas Ehret war nun einer der Referent*innen des Symposiums „Debütfilm – Was geht?“, das vom Filmbüro NW im Kölner Filmhaus veranstaltet wurde. Am 1. Oktober berichteten dort junge Filmemacher*innen von ihren Anstrengungen, erste Filme auf die Beine zu stellen. Dass die Bedingungen dafür immer ungünstiger ausfallen, führte Sonja Hofmann, Geschäftsführerin des Filmbüro NW, als Anlass für die Veranstaltung an. Debütfilme, sagt sie, sollten ein Wagnis sein, sie dürften und sollten etwas ausprobieren, und dafür benötigten sie Partner.
10 Jahre um den Debütfilm kämpfen
Dass die Suche nach solchen Partnern – nach Förderern, Produzenten, Verleihern und auch ideellen Kollaborateuren – in Zeiten einer sich massiv wandelnden Medienlandschaft kraft-, nerven- und zeitraubend sein kann, dafür war eben Nicolas Ehret ein markantes Beispiel. Zur Illustration seines langen Weges zum fertigen Film projizierte er eine Zeitleiste auf die Leinwand im Filmhaus-Kino: 2015, am Beginn dieser Reise, stand nicht allein ein Drehbuch, sondern auch die Zusage des renommierten Schauspielers Ulrich Matthes, die zweite Hauptrolle in „Morgen war Krieg“ zu übernehmen. Doch weil Geldgeber reihenweise absagten, weil das Kriegsthema vor zehn Jahren weit weg erschien, weil er bei einer WDR-Sitzung zur Debütfilmförderung durchfiel und ein ganzes Jahr warten musste, bevor er seine Idee erneut einreichen konnte, weil er das Drehbuch ungezählte Male umschreiben musste, verging mehr als ein ganzes Jahrzehnt. Auch weil er zwischendurch Vater wurde und irgendwie Geld reinkommen musste, stellten sich Ehret durchaus existenzielle Fragen: „Wie lange kann man dieses Spiel mitmachen?“
Dass die Leidenschaft, die man für die Herstellung eines Filmdebüts aufbringt, irgendwann auf dem harten Boden der Realität aufprallt, das war die Erfahrung, von der die Teilnehmer*innen des Symposiums durchgängig berichteten. Debüts entstehen zwischen Extremen, zwischen Euphorie und Depression, zwischen der optimistischen Erwartung, nach einem langen Studium zum Beispiel endlich in der Praxis anzukommen, und dem Zweifel, ob dies jemals klappt.
Weil die „Dringlichkeit“ so übermächtig war, mit dem Film zu beginnen, mal „was zu wagen“ und endlich loszulegen, wartete Katharina Huber nach der ersten Förderung mit 100.000 Euro keine weitere Unterstützung mehr ab: Für die Dreharbeiten zu „Ein schöner Ort“ machte sie Schulden, berechnete ihre eigene – unbezahlte – Arbeitskraft als Eigenanteil und zahlte allen Beteiligten den gleichen Mindestlohn, ob Kameramann oder Koch. Obwohl sie keinen Verleih fand, reüssierte der Film auf Filmfestivals wie Locarno. Auf diese Weise konnte sie ihre Schulden wieder begleichen.
Foto: Conny Beißler | Filmbüro NW
Die Rolle der Förderer
Debüts sollen schneller realisiert werden und besser ausgestattet. Das ist ein Ziel des Kuratoriums des jungen deutschen Films, das es bereits seit den Zeiten des Oberhausener Manifests am Beginn der 1960er-Jahre gibt. Seit diesem Jahr aber ist die Förderung des sogenannten Talentfilms vollständig an die von allen Bundesländern getragene Stiftung übergegangen. Das Kuratorium verfügt über ein Budget von mehr als neun Millionen Euro, und wie Christina Bentlage, die geschäftsführende Direktorin, auf dem Kölner Symposium erläuterte, wird das Geld sowohl auf Lang- wie auf Kurzfilme verteilt. Die dafür zuständigen Jurys, so Bentlage, stünden vor einem immer größer werdenden Problem: Die Zahl der Anträge wächst, aktuell gebe es für das zweite Halbjahr mehr als 500 Einreichungen. Man brauche Zeit, um aus dieser Masse die Projekte herauszufiltern, die gefördert werden sollten – Zeit, in der die Antragsteller sich fragen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen oder welchen Job sie zur Überbrückung ihrer Finanzflaute annehmen sollten.
Auf drei Panels wurde die Situation des Debütfilms diskutiert. Neben Christina Bentlage vom Kuratorium junger deutscher Film repräsentierten Mariana Schneider von Hessen Film & Medien und Dominik Tschütscher vom Österreichischen Filminstitut die Perspektive von Förderinstitutionen: Hessen zum Beispiel setzt auf eine sogenannte Paketförderung, die erlaubt, dass junge Firmen bis zu fünf Projekte gleichzeitig einreichen können. Österreich hat unterdessen ein „Talent LAB“ eingerichtet, das die Einreichenden durch ein regelrechtes Curriculum führt. Von der Stoffentwicklung bis zur Kalkulation der Drehbarbeiten leistet es wertvolle Praxishilfe, die auch bei der Erstellung überzeugender Anträge unterstützt.
Sender, Produzenten – und die Rolle der Verleiher
Für die Sender und Produzenten sprachen anschließend Alexandra Krampe (Julex Film/ PROG Producers of Germany), Melanie Andernach (Made in Germany), Christian Bauer (Saarländischer Rundfunk) und Götz Vogt (WDR). Letzterer wies auf die die zunehmende Bedeutung der Mediatheken im Vergleich zum linearen Fernsehen hin. Auch Debütfilme seien dort zeitunabhängig abrufbar, so dass die Mediatheken möglicherweise dem nachhelfen könnten, was Melanie Andernach forderte: dem Nachwuchs mehr „Sichtbarkeit“ zu verleihen. Allerdings herrsche auch in den Mediatheken ein wachsender kommerzieller Anpassungsdruck, während die Freiheiten abnehmen, so Vogt. Für keine gute Idee hält es entsprechend Krampe, alles Geförderte direkt in die Mediatheken zu stellen. Talentfilme gehörten erst einmal ins Kino und auf Festivals.
Wie also erreichen Debüts ihr Publikum? Mit dieser Frage beschäftigte sich zum Abschluss des Symposiums das Panel der Verleiher. Hier diskutierten Joachim Kühn von Realfiction, Christos Acrivulis von MissingFILMS und Stefco Escofet von Dokomotive – einer Plattform im Netz, die für den vielfach unterbewerteten Bereich des Dokumentarfilms versucht, eine Gemeinde zu erschließen. „Community Building“ ist für Escofet das Stichwort, dem er gleich ein zweites hinzufügt: Indem seine Plattform Zuschauer mit Dokumentarfilmen bekannt mache, die mit dem Genre nie in Berührung kamen, betreibe sie zugleich „Filmbildung“. Auf die besonderen Bedingungen, unter denen Filme an ihr Publikum jenseits des Netzes gelangen, wies unterdessen Kühn hin: Keine andere Kunstform müsse sich so wie der Film am Markt bewähren, denn Kinobetreiber seien schließlich Gewerbetreibende, die auf ihre Bilanz achten müssten. Im Hinblick auf den Debütfilm bedeute das: „Darauf wird man viel zu wenig vorbereitet.“
Positive Stimmung und ein volles Haus
Veranstaltungen wie das Kölner Symposium sind sicher Maßnahmen, die diesem Mangel entgegenwirken. Wie groß das Bedürfnis nach Information und Austausch ist, zeigte allein der Zuspruch zu diesem Tag im Filmhaus: Die Plätze im Kino waren restlos belegt. Dabei gelang dem Symposium ein Balanceakt: Leicht hätte die vielfach geäußerte Kritik an den schwierigen Rahmenbedingungen für den Debütfilm in jene Depression abrutschen können, die mancher beklagt. Dem aber standen Beispiele erfolgreicher Bewältigung von Krisen gegenüber, die Mut machten: Jelena Ilićs Film „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ etwa, der zwar ein gravierendes persönliches Problem der Autorin und Regisseurin zum Gegenstand hat, nämlich die psychische und körperliche Krankheit des eigenen Vaters. Und doch hat es dieser von Melanie Andernach produzierte Film geschafft, vom ersten Mentorenprogramm für weibliche Filmschaffende, „Into the Wild“, bis hin zum Publikumspreis beim Max-Ophüls-Festival und zum Kinostart am 8. Oktober zielstrebig voranzuschreiten.
Und auch Ehrets „Morgen war Krieg“ hat es schließlich bis in zum Kinostart gebracht. Sonja Hofmann vom Filmbüro NW hat vermutlich Recht, wenn sie sagt, dass bei einem Job wie diesem die Probleme auch über das Debütstadium hinaus nicht unbedingt kleiner würden. Auch für eine Doris Dörrie nicht.
Fotos: Conny Beißer / Filmbüro NW