Acht kurze Filme, vier Kölner Stadtteile und ein großes Thema: Mit »Kurzfilm im Veedel« bringt die Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn im Oktober ein Programm über die Liebe nach Porz, Bickendorf, Ostheim und Nippes. Hinter der kleinen Reihe steckt eine Idee, die die Medienkunstvermittlung der Stiftung schon seit Jahren verfolgt: Kurzfilm soll nicht nur dort stattfinden, wo ohnehin ein kulturaffines Kinopublikum unterwegs ist.
Von Werner Busch.
Was lässt sich in knapp einer Stunde über die Liebe erzählen? Offenbar ziemlich viel. Von der Beziehung zwischen Mutter und Tochter über die Verbundenheit zweier Schwestern und eine Fernbeziehung bis hin zu einer Begegnung zweier Aliens reicht das Spektrum, das die Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn für die diesjährige Ausgabe von »Kurzfilm im Veedel« zusammengestellt hat. Acht Filme aus Dokumentarfilm, Animation, Spielfilm und Musikvideo ergeben ein 51-minütiges Programm, das im Oktober gleich viermal in Köln zu sehen sein wird. Anschließend ist jeweils Zeit für ein Publikumsgespräch.
Der Titel des Programms ist denkbar einfach: »Liebe«. Gemeint ist damit allerdings weniger das klassische romantische Glück als ein weit gefasster Blick auf menschliche Bindungen. Gleich der Auftakt führt an einen Ort, an dem man eine Liebesgeschichte vielleicht nicht zuerst vermuten würde: In Nadia Parfans sechsminütigem It’s a Date rast 2022 ein Auto durch die beinahe menschenleeren Straßen von Kyjiw. Der Film greift Claude Lelouchs legendären Kurzfilm C’était un rendez-vous auf und versetzt dessen Fahrt durch Paris in die Realität einer vom Krieg gezeichneten Stadt.
Von dort springt das Programm mühelos zwischen Generationen, Formen und Tonlagen. Andrea Bürgi beobachtet in der Kurzdokumentation Alt werden ihre 80-jährige Mutter. Im Musikvideo Sister 2 Sister erzählen die Zwillingsschwestern Lisa-Kaindé und Naomi Díaz alias Ibeyi ihre Beziehung auch durch Bewegung und Choreografie. Marie Pauline Baghs Splitter wiederum handelt von der jungen Mutter Hanna und ihrer Tochter Ida, deren bislang eingespielter Alltag mit der Einschulung des Kindes in Bewegung gerät.
Dass »Kurzfilm« dabei nicht mit einer bestimmten filmischen Form gleichgesetzt wird, gehört zum Konzept. Auf einen 17-minütigen Spielfilm kann die einminütige Animation OOPS von Sila Kucukoglu folgen, in der zwei außerirdische Wesen aufeinandertreffen. Nadja Tannos Animationsfilm Long Distance erzählt von Nähe, Einsamkeit und Technologie in einer Fernbeziehung. Im Musikvideo Virile von The Blaze bewegen sich zwei Männer durch ein Wohnzimmer, ihre Gesten changieren zwischen Kraft und Verletzlichkeit. Und Anne-Christin Plates IKTAMULI widmet sich schließlich einer Seite von Mutterliebe, die wesentlich komplizierter ist als das Idealbild bedingungsloser Zuneigung: Liebe, Überforderung, Ablehnung und Sehnsucht bestehen hier nebeneinander.
So entsteht weniger eine Sammlung von Filmen »über Liebe« als ein kleines Panorama sehr verschiedener Formen von Verbundenheit. Das ist durchaus als Gegenakzent gedacht. Während öffentliche Debatten derzeit stark von Krieg, politischen Konflikten und Krisen geprägt sind, richtet die Stiftung mit dem Programm den Blick bewusst auf Beziehungen zwischen Menschen – ohne dabei so zu tun, als existierten diese Beziehungen außerhalb solcher Konflikte.
Auch Musikvideos gehören zum Kurzfilmprogramm: Ibeyi – Sister 2 Sister (FR/CU, 2022, Colin Solal Cardo), Foto: Stiftung Kultur
Der Kurzfilm kommt zum Publikum
Mindestens ebenso wichtig wie die Auswahl der Filme ist bei »Kurzfilm im Veedel« allerdings die Frage, wo sie gezeigt werden. Keine der vier Vorstellungen findet in einem klassischen Kino in der Innenstadt statt. Stationen sind das Bürgerzentrum Engelshof in Porz, ein Spielort von Kultur im Veedel in Bickendorf, das Mehrgenerationenhaus von Lebensräume in Balance in Ostheim und der Altenberger Hof in Nippes. Der Eintritt ist frei, Spenden sind möglich.
Dahinter steht eine kulturpolitische Idee im Kleinen: Nicht das Publikum muss zum spezialisierten Filmangebot kommen, sondern das Filmangebot bewegt sich in die Stadtteile. Die Stiftung formuliert das Ziel selbst so, den Kurzfilm auch »außerhalb der innerstädtischen Hot-Spots« sichtbar zu machen und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Beim Ausbau des Formats in den letzten Jahren ging es ausdrücklich darum, über Kooperationen mit Einrichtungen in den Veedeln Menschen zu erreichen, die nicht regelmäßig innerstädtische Kinos oder Programme jenseits des Mainstreams besuchen. Zum Konzept gehören deshalb auch die Gespräche nach den Filmen, in denen Publikum, Filmschaffende und lokal engagierte Akteur miteinander ins Gespräch kommen können.
Die Arbeit mit dem Kurzfilm reicht bei der Medienkunstvermittlung weit über diese Reihe hinaus. Die Stiftung ist Partnerin des Kurzfilmfestival Köln und beteiligt sich gemeinsam mit dem KFFK und dem Filmhaus Köln am »Short Monday«. Kuratiert werden die Programme von Birgit Hauska und Simon Rupieper. Hauska beschrieb den Kurzfilm im Gespräch mit Filmszene Köln anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stiftung als besonders geeignet, um eine Art »Sehschule« anzustoßen: Durch seine konzentrierte Form könne er ungewohnte ästhetische Zugänge eröffnen – und zugleich besonders gut zum Gespräch über das Gesehene einladen.
Genau das lässt sich an der diesjährigen Auswahl nachvollziehen. Acht Filme benötigen zusammen kaum mehr Zeit als ein durchschnittlicher Spielfilm, eröffnen aber acht vollkommen unterschiedliche Zugänge zu einem vermeintlich vertrauten Begriff. Vielleicht ist gerade das eine Stärke des Kurzfilms: Er muss keine abschließende Antwort geben. Manchmal reichen sechs Minuten, eine Autofahrt durch Kyjiw oder zwei Menschen, die miteinander tanzen, um ein Thema für einen Moment aus einer anderen Richtung zu betrachten.
Acht kurze Filme, vier Kölner Stadtteile und ein großes Thema: Mit »Kurzfilm im Veedel« bringt die Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn im Oktober ein Programm über die Liebe nach Porz, Bickendorf, Ostheim und Nippes. Hinter der kleinen Reihe steckt eine Idee, die die Medienkunstvermittlung der Stiftung schon seit Jahren verfolgt: Kurzfilm soll nicht nur dort stattfinden, wo ohnehin ein kulturaffines Kinopublikum unterwegs ist.
Von Werner Busch.
Was lässt sich in knapp einer Stunde über die Liebe erzählen? Offenbar ziemlich viel. Von der Beziehung zwischen Mutter und Tochter über die Verbundenheit zweier Schwestern und eine Fernbeziehung bis hin zu einer Begegnung zweier Aliens reicht das Spektrum, das die Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn für die diesjährige Ausgabe von »Kurzfilm im Veedel« zusammengestellt hat. Acht Filme aus Dokumentarfilm, Animation, Spielfilm und Musikvideo ergeben ein 51-minütiges Programm, das im Oktober gleich viermal in Köln zu sehen sein wird. Anschließend ist jeweils Zeit für ein Publikumsgespräch.
Der Titel des Programms ist denkbar einfach: »Liebe«. Gemeint ist damit allerdings weniger das klassische romantische Glück als ein weit gefasster Blick auf menschliche Bindungen. Gleich der Auftakt führt an einen Ort, an dem man eine Liebesgeschichte vielleicht nicht zuerst vermuten würde: In Nadia Parfans sechsminütigem It’s a Date rast 2022 ein Auto durch die beinahe menschenleeren Straßen von Kyjiw. Der Film greift Claude Lelouchs legendären Kurzfilm C’était un rendez-vous auf und versetzt dessen Fahrt durch Paris in die Realität einer vom Krieg gezeichneten Stadt.
Von dort springt das Programm mühelos zwischen Generationen, Formen und Tonlagen. Andrea Bürgi beobachtet in der Kurzdokumentation Alt werden ihre 80-jährige Mutter. Im Musikvideo Sister 2 Sister erzählen die Zwillingsschwestern Lisa-Kaindé und Naomi Díaz alias Ibeyi ihre Beziehung auch durch Bewegung und Choreografie. Marie Pauline Baghs Splitter wiederum handelt von der jungen Mutter Hanna und ihrer Tochter Ida, deren bislang eingespielter Alltag mit der Einschulung des Kindes in Bewegung gerät.
Dass »Kurzfilm« dabei nicht mit einer bestimmten filmischen Form gleichgesetzt wird, gehört zum Konzept. Auf einen 17-minütigen Spielfilm kann die einminütige Animation OOPS von Sila Kucukoglu folgen, in der zwei außerirdische Wesen aufeinandertreffen. Nadja Tannos Animationsfilm Long Distance erzählt von Nähe, Einsamkeit und Technologie in einer Fernbeziehung. Im Musikvideo Virile von The Blaze bewegen sich zwei Männer durch ein Wohnzimmer, ihre Gesten changieren zwischen Kraft und Verletzlichkeit. Und Anne-Christin Plates IKTAMULI widmet sich schließlich einer Seite von Mutterliebe, die wesentlich komplizierter ist als das Idealbild bedingungsloser Zuneigung: Liebe, Überforderung, Ablehnung und Sehnsucht bestehen hier nebeneinander.
So entsteht weniger eine Sammlung von Filmen »über Liebe« als ein kleines Panorama sehr verschiedener Formen von Verbundenheit. Das ist durchaus als Gegenakzent gedacht. Während öffentliche Debatten derzeit stark von Krieg, politischen Konflikten und Krisen geprägt sind, richtet die Stiftung mit dem Programm den Blick bewusst auf Beziehungen zwischen Menschen – ohne dabei so zu tun, als existierten diese Beziehungen außerhalb solcher Konflikte.
Der Kurzfilm kommt zum Publikum
Mindestens ebenso wichtig wie die Auswahl der Filme ist bei »Kurzfilm im Veedel« allerdings die Frage, wo sie gezeigt werden. Keine der vier Vorstellungen findet in einem klassischen Kino in der Innenstadt statt. Stationen sind das Bürgerzentrum Engelshof in Porz, ein Spielort von Kultur im Veedel in Bickendorf, das Mehrgenerationenhaus von Lebensräume in Balance in Ostheim und der Altenberger Hof in Nippes. Der Eintritt ist frei, Spenden sind möglich.
Dahinter steht eine kulturpolitische Idee im Kleinen: Nicht das Publikum muss zum spezialisierten Filmangebot kommen, sondern das Filmangebot bewegt sich in die Stadtteile. Die Stiftung formuliert das Ziel selbst so, den Kurzfilm auch »außerhalb der innerstädtischen Hot-Spots« sichtbar zu machen und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Beim Ausbau des Formats in den letzten Jahren ging es ausdrücklich darum, über Kooperationen mit Einrichtungen in den Veedeln Menschen zu erreichen, die nicht regelmäßig innerstädtische Kinos oder Programme jenseits des Mainstreams besuchen. Zum Konzept gehören deshalb auch die Gespräche nach den Filmen, in denen Publikum, Filmschaffende und lokal engagierte Akteur miteinander ins Gespräch kommen können.
Die Arbeit mit dem Kurzfilm reicht bei der Medienkunstvermittlung weit über diese Reihe hinaus. Die Stiftung ist Partnerin des Kurzfilmfestival Köln und beteiligt sich gemeinsam mit dem KFFK und dem Filmhaus Köln am »Short Monday«. Kuratiert werden die Programme von Birgit Hauska und Simon Rupieper. Hauska beschrieb den Kurzfilm im Gespräch mit Filmszene Köln anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stiftung als besonders geeignet, um eine Art »Sehschule« anzustoßen: Durch seine konzentrierte Form könne er ungewohnte ästhetische Zugänge eröffnen – und zugleich besonders gut zum Gespräch über das Gesehene einladen.
Genau das lässt sich an der diesjährigen Auswahl nachvollziehen. Acht Filme benötigen zusammen kaum mehr Zeit als ein durchschnittlicher Spielfilm, eröffnen aber acht vollkommen unterschiedliche Zugänge zu einem vermeintlich vertrauten Begriff. Vielleicht ist gerade das eine Stärke des Kurzfilms: Er muss keine abschließende Antwort geben. Manchmal reichen sechs Minuten, eine Autofahrt durch Kyjiw oder zwei Menschen, die miteinander tanzen, um ein Thema für einen Moment aus einer anderen Richtung zu betrachten.
Kurzfilm im Veedel – »Liebe«
8. Oktober, 19 Uhr: Bürgerzentrum Engelshof, Porz
9. Oktober, 19 Uhr: Bickendorf / Kultur im Veedel
11. Oktober, 18 Uhr: Mehrgenerationenhaus LiB, Ostheim
14. Oktober, 19 Uhr: Bürgerzentrum Altenberger Hof, Nippes
Der Eintritt ist frei, Spenden sind möglich.
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