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Medienkompetenz durch Machen: Das jfc Medienzentrum blickt auf fünf Jahrzehnte zurück

Das jfc Medienzentrum feiert 50 Jahre – und zeigt, wie aus einem Filmclub mit Filmrollen und klobigen Abspielgeräten eine NRW-weit prägende Medieninstitution wurde. Der jfc demonstriert immer wieder eindrucksvoll, wie Medienkompetenz durchs Machen entsteht – kreativ, kritisch und immer wieder neu.

Von Frank Olbert.


Durch die Räume in der Seekabelstraße 4 in Köln weht derzeit der Hauch der 70er-Jahre. Große bunte Blumenmuster zieren die Wände, ein wenig hippie-esk, so wie es damals war, als der „jugend film club köln e. V.“ sich in zeitgemäßer Kleinschreibung ins Vereinsregister eintrug. Nach vielen Jahren am Kölner Hansaring zog das jfc Medienzentrum, wie es heute heißt, ins Clouth-Quartier im Stadtteil Nippes um, in eine moderne Residenz, die alles aufbietet, was das für Film und Medien schlagende Herz begehrt: Ein Studio mit digitalen Schnittplätzen und Sound-Bearbeitung, Werkstätten, Green Screens und eben auch viel Platz für Kulissen wie die Blumenwände, mit denen sich nun Remininszensen an die 70er-Jahre drehen lassen – Anlass ist natürlich das 50jährige Bestehen dieser Kölner Instititutionen, die für Kinder und Jugendliche und auch an Fortbildungen interessierte Erwachsenen in ganz NRW da ist.

Die Wurzeln des heutigen jfc Medienzentrums reichen bis in die späten 60er-Jahre zurück, als sich unter dem Dach des Bundes der Katholischen Jugend im Kölner Stadtteil Brück ein Filmclub gründete, der sich 1972 offiziell konstituierte. Mit Filmrollen und klobigen Abspielgeräten zogen die Akteure durch die Jugendeinrichtungen der Stadt, um Filme zu zeigen und gemeinsam über das Gesehene zu diskutieren. Rasch entstand die Idee, den Kreis der Adressaten zu erweitern und das Angebot nicht mehr auf katholische Jugendliche zu beschränken, sondern allen jungen Menschen in Köln zugänglich zu machen.

1975 ging der „jugend film club köln e.V.“ als unabhängiger Verein mit bis zu 250 Mitgliedern aus dem Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich aus diesem Anspruch hervor. Am 7. April 1976 wurde der Verein vom Ratsausschuss offiziell als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt – der Grundstein für fünf Jahrzehnte kontinuierlicher medienpädagogischer Arbeit war gelegt.

Schon im Jahr seiner Gründung setzte der jfc auf eigene Publikationen: Von 1976 bis 1983 erschien die Zeitschrift „i+m“ (informationen und materialien zur medienarbeit), die Fachkräften in der Jugend- und Kulturarbeit praktische Arbeitshilfen zu verschiedenen Themen bot. Ein Meilenstein war 1979 die Gründung von „Lurens“ – kölsch für „schau mal“ –, dem bundesweit ersten Videomagazin von Jugendlichen für Jugendliche. Hier ging es um die Hausbesetzung in Köln, vor allem auf dem Stollwerck-Gelände, um Verhütung, um Umweltschutz und Friedensbewegung und immer wieder auch um Medien selbst.

Und vor allem im Hinblick auf Medien und Technologie beschleunigten sich von den 80er-Jahren an die Umbrüche, die auch die Programmatik des jfc selbst berührten. Im Arbeitskreis Video wurden Projekte in Angriff genommen, die Jugendliche über den Umgang mit der Kamera hinaus mit der Arbeit an Schnittplätzen und dem Wandel von der analogen zur digitalen Produktion vertraut machten. 1989 feierte das erste Kölner Kinderfilmfest Premiere, das sich bis heute als Cinepänz-Festival etabliert hat.

Heute stehen Themen wie die sozialen Medien und zunehmend Künstliche Intelligenz ganz oben auf der Agenda des jfc Medienzentrums, dessen Grundgedanke im Laufe der Zeit allerdings unverändert geblieben ist: Der bewusste und kritische Umgang mit Medien soll nicht durch bloßen Konsum, sondern durch gestalterische Aktivität erlernt werden. „Es geht uns immer darum, ins Tun zu kommen“, so die Leiterin Patricia Gläfcke, die 2023 auf ihre langjährige Vorgängerin Gerda Sieben folgte. „Beim Machen reden wir darüber, was es für Risiken gibt. Wir arbeiten kreativ und kritisch.“

Zum 50-jährigen Jubiläum zeigt das jfc eine vom Jugendboard kuratierte Ausstellung im Atrium des Bezirksrathauses Nippes. Archivmaterial, historische Fotos und interaktive Elemente laden dazu ein, den Weg vom jugend film club köln bis zu den aktuellen und zukünftigen Themen der Medienarbeit nachzuvollziehen.


Nun online ist die Jubiläums-Webseite, die die Entwicklung des JFC nachzeichnet:

jugendfilmclub.de

Alle Fotos: (c) jfc Medienzentrum

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