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Interview: Jacqueline Nsiah über das Programm des AFFK

In diesem Jahr feiert das Afrika Film Festival Köln (AFFK) seine 20. Ausgabe mit mehr als 40 internationalen Gästen und rund 90 historischen und zeitgenössischen Filmen aus 20 afrikanischen Ländern und der weltweiten Diaspora. Eine der drei Kuratorinnen des diesjährigen Programms ist Filmkuratorin und Kulturanthropologin Jacqueline Nsiah. Im Juli wurde Nsiah jüngst von Carlo Chatrian, dem Künstlerischen Leiter der Berlinale, zum Mitglied seines Auswahlkomitees berufen. Mit Filmszene-Redakteur Werner Busch sprach sie über die kommende Ausgabe des AFFK, die vom 14. – 24. September 2023 überwiegend im Filmforum Kino im Museum Ludwig und in der Alten Feuerwache Köln das afrikanische Kino feiert. Für Geflüchtete ist der Eintritt zu allen Filmvorführungen frei.

Werner Busch: Das Programm des AFFK beeindruckt mich in jedem Jahr allein schon wegen seines schieren Umfangs. Bei dieser Ausgabe, im Jubiläumsjahr, scheint es noch einmal gewachsen zu sein? Nach welchen Filmen habt ihr bei der Auswahl gesucht?

Jacqueline Nsiah © Engin Oruc

Jacqueline Nsiah: Das ist richtig, dieses Jahr sind es besonders viele Filme, Kurzfilme und ein großer Fokus auf Filme von der afrikanischen Diaspora. Es sind ca. 20 afrikanische Länder im Programm vertreten zusätzlich zu den Filmen aus der Diaspora. In erster Linie haben wir auf außergewöhnliche Erzählstrukturen geachtet, Originalität und Filme die politischen und akuten Themen aufgreifen, wie beispielsweise Flucht und Migration mit „Bravo Burkina“, aber ganz ehrlich, die Auswahl an Filmen war und ist überwältigend. Es gibt so viele großartige Filme, mehr und mehr Produktionen und qualitativ hochwertig. Heutzutage ist es eher eine Frage von bekommen wir diesen Film und wie viele Filme dürfen wir programmieren.

Gab es Filme oder Gäste, die Dir besonders bei Deiner Auswahl wichtig waren und nun Teil des Programms sind?

Ja, mit Sicherheit gab es bei dem einen oder anderen Film oder Gast eine stärkere Präferenz, aber ich muss sagen, dass ich insgesamt sehr glücklich mit unserer Auswahl bin und froh, dass alle Regisseur:innen teilnehmen können. Besonders freue ich mich auf das Publikumsgespräch im Anschluss des Filmes „Walter Rodney“ mit Patricia Rodney, seiner Frau. Walter Rodney war ein guyanischer Historiker, politischer Aktivist und Wissenschaftler.

Wo findet afrikanisches Kino in Deutschland statt? In meiner Wahrnehmung scheint es sich großteils auf Festivals zu beschränken. Warum gibt es hier nicht mehr reguläre Kinostarts oder Verleiher, die sich auf afrikanisches Kino spezialisieren?

Das sind Fragen, die ich mir auch stelle, aber die Antworten dazu kennen wir schon. Leider wird das afrikanische immer noch als „Nische“ gesehen, ich denke viele deutsche Kinobetreiber oder Verleiher glauben nicht, dass ein afrikanischer Film von der breiten Masse gesehen werden möchte und somit auch nicht genug Geld einbringen würde. Ich denke jedoch, dass wir Menschen nicht machtlos sind, wenn Du oder die Leser Interesse an afrikanischem Kino habt, könntet Ihr auch die Initiative ergreifen und eure lokalen Kinos ansprechen und anschreiben, eventuell bewegt sich etwas.

Wie ist es um die Wahrnehmung des afrikanischen Kinos in anderen Ländern bestellt?

In Großbritannien und Frankreich ist das afrikanische Kino schon viel besser gestellt, es gibt vermehrt einen Kinostart und die Filme sind auch sehr gut bei den jeweiligen Verleihern und Archiven vertreten. Natürlich hängt es auch mit der Kolonialen Geschichte zusammen, dennoch denke ich, das es Länder wie Frankreich, Großbritannien eine größere Offenheit besitzen.

Du hast nicht nur Teile des Programms kuratiert sondern bist auch Jurymitglied und Moderatorin. Auch bei dem Panel „Fostering Resilient Voices: African Women Filmmakers and Curators …” Was steht im Zentrum dieses Panels?

In diesem Panel wollen wir über unsere Erfahrungen sprechen als schwarze afrikanische Frauen in einer Filmindustrie die nach wie vor sehr eurozentrisch geprägt ist. Was wir uns wünschen für die Zukunft und wie wir unseren Beitrag leisten können. In erste Linie geht es um das Verständnis für die verschiedenen Positionen und den Austausch.

Was macht das Afrika Film Festival in Köln auch in seinem 20. Jahr weiterhin so?

Naja, allein schon die einfache Tatsache, dass es kaum Möglichkeiten gibt afrikanische Filme zu sehen, macht das AFFK undenkbar! Aber als Ort der Begegnung und der Debatten ist er einfach einzigartig und wunderbar und ich wünsche dem AFFK weiterhin viel Erfolg und Förderung, auf die nächsten 20 Jahre!

Interview: Werner Busch

Jacqueline Nsiah absolvierte ihren Master in Visual and Media Anthropology an der Freien Universität Berlin und ihren Bachelor in African Studies and Politics an der SOAS – University of London. Neben ihrer Tätigkeit für das Afrika Film Festival Köln arbeitete die freiberufliche Kuratorin u. a. für das Cambridge African Film Festival und das Festival do Rio. Sie war Kodirektorin und Kuratorin des afrikanischen Filmfestivals UHURU in Rio de Janeiro und Programmerin für Film Africa in London. Zudem betreute sie als Projektreferentin eine Filmplattform des Goethe-Instituts. Jacqueline Nsiah war in den vergangenen vier Festivaleditionen Mitglied des Auswahlgremiums des Berlinale Forums und war Kokuratorin der Forum-Sonderreihe „Fiktionsbescheinigung“. (Berlinale)

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