Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln lädt am 15. Oktober wieder zu einem Stummfilmabend mit Livemusik ins Filmforum NRW. Gezeigt wird Paul Wegeners expressionistischer Klassiker Der Golem, wie er in die Welt kam von 1920. Ein Einführungsgespräch beleuchtet die filmhistorischen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergründe.
Von Werner Busch.
Ein mächtiges Wesen aus Lehm, zum Leben erweckt, um die jüdische Bevölkerung Prags vor der Vertreibung zu schützen: In Der Golem, wie er in die Welt kam erzählt Paul Wegener eine alte jüdische Legende als ebenso fantastisches wie düsteres Filmmärchen. Der Golem bewahrt die bedrohte Gemeinschaft zunächst vor dem Unheil, entwickelt jedoch bald ein gefährliches Eigenleben. Die Geschichte über die Schöpfung einer künstlichen Kreatur, die sich der Kontrolle ihres Schöpfers entzieht, beschäftigt das Kino bis heute.
Wegeners Film von 1920, entstanden in Zusammenarbeit mit Carl Boese, gehört zu den bedeutendsten Werken des deutschen Stummfilms. Berühmt sind vor allem seine expressionistische Bildgestaltung und die außergewöhnlichen Bauten von Hans Poelzig und Marlene Moeschke. Das verwinkelte Prager Ghetto mit seinen organisch geformten Häusern und schiefen Gassen gehört zu den eindrucksvollsten Filmarchitekturen der Stummfilmzeit. Im Filmforum NRW ist am Donnerstag, 15. Oktober, die 2018 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung in 4k zu sehen.
Die Bibliothek als Kinoveranstalterin
Hinter dem Abend steht die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB), die seit mehreren Jahren historische Filme mit eigens gestalteter Livemusik und begleitenden Gesprächen präsentiert. Bereits 2022 widmete sie Fritz Lang eine Filmreihe, 2023 folgte unter dem Titel Berlin 1927–1930 ein zweiteiliges Programm mit Menschen am Sonntag und Berlin. Die Sinfonie der Großstadt. In den vergangenen beiden Jahren standen mit Nosferatu und Das Cabinet des Dr. Caligari zwei Klassiker des expressionistischen Kinos auf dem Programm.
Für Thomas Bähr, der die Stummfilmabende organisiert, gehört die Veranstaltungsreihe zum kulturellen Auftrag der Universität. »Die Reihe verstehen wir als Teil der Kulturvermittlung und der sogenannten Third Mission der Universität zu Köln«, erläutert er. Gemeint ist damit die Aufgabe der Hochschulen, wissenschaftliche Erkenntnisse über Forschung und Lehre hinaus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Gerade die Universitäts- und Stadtbibliothek sieht Bähr dabei in einer besonderen Position. Sie könne eine Brücke zwischen Universität und Stadtgesellschaft schlagen und zugleich unterschiedliche Kölner Kulturinstitutionen miteinander verbinden. Die Zusammenarbeit mit dem Filmforum NRW und dem Kölnischen Stadtmuseum ist dafür ein Beispiel.
Filmgeschichte trifft Wissenschaft
»Zum Konzept gehört, dass die Filme nicht einfach nur gezeigt werden«, erklärt Bähr. Vor jeder Vorführung steht deshalb ein allgemein verständliches Gespräch mit Fachleuten, die unterschiedliche Perspektiven auf den jeweiligen Film eröffnen. Das Publikum soll historische Zusammenhänge kennenlernen und mehr über die Entstehungsbedingungen und die künstlerische Gestaltung der Filme erfahren.
Bei Der Golem bietet sich dafür eine besonders interessante Konstellation. Die Filmwissenschaftlerin Lisa Gotto, Professorin an der Universität Wien und zuvor unter anderem an der ifs Köln tätig, beschäftigt sich mit der filmhistorischen Bedeutung des Werks. Stefan Lewejohann vom Kölnischen Stadtmuseum beleuchtet das gesellschaftliche und politische Umfeld der frühen Weimarer Republik. Anna Rutkowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Martin-Buber-Institut für Judaistik der Universität zu Köln, erläutert die jüdische Golem-Überlieferung und deren religiösen und kulturgeschichtlichen Hintergrund. Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin und Radiomoderatorin Gisela Steinhauer.
Ein neuer Klang für einen Film von 1920
Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Stummfilmabende ist die Livemusik. Seit Beginn der Reihe arbeitet die USB mit dem Musiker Matthias Hirth zusammen, der sich seit mehr als zwanzig Jahren der musikalischen Begleitung von Stummfilmen widmet. Mit seinem Projekt newsoundKino verbindet er traditionelle Instrumente mit elektronischen Klängen und Sounddesign.
Auch für Der Golem hat Hirth eine eigene musikalische Interpretation entwickelt. Statt eine historische Kinobegleitung zu rekonstruieren, setzt er auf einen zeitgenössischen Soundtrack, den er während der Vorführung live spielt. So bekommt der mehr als hundert Jahre alte Film eine neue musikalische Ebene.
Der Stummfilmabend der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln findet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, um 19 Uhr im Filmforum NRW im Museum Ludwig statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Tickets kosten 9 Euro im Vorverkauf und 10 Euro an der Abendkasse.
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Wir verlosen 3 × 2 Kinotickets! Filmszene Köln verlost drei Mal zwei Freikarten für den Stummfilmabend mit Der Golem im Filmforum NRW. Wer dabei sein möchte, verrät uns einfach seinen Lieblingsstummfilm – entweder als Kommentar unter dem Instagram-Beitrag oder per E-Mail an redaktion@filmszene.koeln. Unter allen Einsendungen werden am 14. Oktober um 15 Uhr die Gewinner ausgelost. Viel Glück!
Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln lädt am 15. Oktober wieder zu einem Stummfilmabend mit Livemusik ins Filmforum NRW. Gezeigt wird Paul Wegeners expressionistischer Klassiker Der Golem, wie er in die Welt kam von 1920. Ein Einführungsgespräch beleuchtet die filmhistorischen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergründe.
Von Werner Busch.
Ein mächtiges Wesen aus Lehm, zum Leben erweckt, um die jüdische Bevölkerung Prags vor der Vertreibung zu schützen: In Der Golem, wie er in die Welt kam erzählt Paul Wegener eine alte jüdische Legende als ebenso fantastisches wie düsteres Filmmärchen. Der Golem bewahrt die bedrohte Gemeinschaft zunächst vor dem Unheil, entwickelt jedoch bald ein gefährliches Eigenleben. Die Geschichte über die Schöpfung einer künstlichen Kreatur, die sich der Kontrolle ihres Schöpfers entzieht, beschäftigt das Kino bis heute.
Wegeners Film von 1920, entstanden in Zusammenarbeit mit Carl Boese, gehört zu den bedeutendsten Werken des deutschen Stummfilms. Berühmt sind vor allem seine expressionistische Bildgestaltung und die außergewöhnlichen Bauten von Hans Poelzig und Marlene Moeschke. Das verwinkelte Prager Ghetto mit seinen organisch geformten Häusern und schiefen Gassen gehört zu den eindrucksvollsten Filmarchitekturen der Stummfilmzeit. Im Filmforum NRW ist am Donnerstag, 15. Oktober, die 2018 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung in 4k zu sehen.
Die Bibliothek als Kinoveranstalterin
Hinter dem Abend steht die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB), die seit mehreren Jahren historische Filme mit eigens gestalteter Livemusik und begleitenden Gesprächen präsentiert. Bereits 2022 widmete sie Fritz Lang eine Filmreihe, 2023 folgte unter dem Titel Berlin 1927–1930 ein zweiteiliges Programm mit Menschen am Sonntag und Berlin. Die Sinfonie der Großstadt. In den vergangenen beiden Jahren standen mit Nosferatu und Das Cabinet des Dr. Caligari zwei Klassiker des expressionistischen Kinos auf dem Programm.
Für Thomas Bähr, der die Stummfilmabende organisiert, gehört die Veranstaltungsreihe zum kulturellen Auftrag der Universität. »Die Reihe verstehen wir als Teil der Kulturvermittlung und der sogenannten Third Mission der Universität zu Köln«, erläutert er. Gemeint ist damit die Aufgabe der Hochschulen, wissenschaftliche Erkenntnisse über Forschung und Lehre hinaus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Gerade die Universitäts- und Stadtbibliothek sieht Bähr dabei in einer besonderen Position. Sie könne eine Brücke zwischen Universität und Stadtgesellschaft schlagen und zugleich unterschiedliche Kölner Kulturinstitutionen miteinander verbinden. Die Zusammenarbeit mit dem Filmforum NRW und dem Kölnischen Stadtmuseum ist dafür ein Beispiel.
Filmgeschichte trifft Wissenschaft
»Zum Konzept gehört, dass die Filme nicht einfach nur gezeigt werden«, erklärt Bähr. Vor jeder Vorführung steht deshalb ein allgemein verständliches Gespräch mit Fachleuten, die unterschiedliche Perspektiven auf den jeweiligen Film eröffnen. Das Publikum soll historische Zusammenhänge kennenlernen und mehr über die Entstehungsbedingungen und die künstlerische Gestaltung der Filme erfahren.
Bei Der Golem bietet sich dafür eine besonders interessante Konstellation. Die Filmwissenschaftlerin Lisa Gotto, Professorin an der Universität Wien und zuvor unter anderem an der ifs Köln tätig, beschäftigt sich mit der filmhistorischen Bedeutung des Werks. Stefan Lewejohann vom Kölnischen Stadtmuseum beleuchtet das gesellschaftliche und politische Umfeld der frühen Weimarer Republik. Anna Rutkowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Martin-Buber-Institut für Judaistik der Universität zu Köln, erläutert die jüdische Golem-Überlieferung und deren religiösen und kulturgeschichtlichen Hintergrund. Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin und Radiomoderatorin Gisela Steinhauer.
Ein neuer Klang für einen Film von 1920
Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Stummfilmabende ist die Livemusik. Seit Beginn der Reihe arbeitet die USB mit dem Musiker Matthias Hirth zusammen, der sich seit mehr als zwanzig Jahren der musikalischen Begleitung von Stummfilmen widmet. Mit seinem Projekt newsoundKino verbindet er traditionelle Instrumente mit elektronischen Klängen und Sounddesign.
Auch für Der Golem hat Hirth eine eigene musikalische Interpretation entwickelt. Statt eine historische Kinobegleitung zu rekonstruieren, setzt er auf einen zeitgenössischen Soundtrack, den er während der Vorführung live spielt. So bekommt der mehr als hundert Jahre alte Film eine neue musikalische Ebene.
Der Stummfilmabend der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln findet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, um 19 Uhr im Filmforum NRW im Museum Ludwig statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Tickets kosten 9 Euro im Vorverkauf und 10 Euro an der Abendkasse.
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Wir verlosen 3 × 2 Kinotickets! Filmszene Köln verlost drei Mal zwei Freikarten für den Stummfilmabend mit Der Golem im Filmforum NRW. Wer dabei sein möchte, verrät uns einfach seinen Lieblingsstummfilm – entweder als Kommentar unter dem Instagram-Beitrag oder per E-Mail an redaktion@filmszene.koeln. Unter allen Einsendungen werden am 14. Oktober um 15 Uhr die Gewinner ausgelost. Viel Glück!