Filmszene Aktuell

130 Jahre Kino in Köln – Ausstellung, Filmabend und Stadtführungen

Am Donnerstag, 15. Oktober, eröffnet im Kölnischen Stadtmuseum die Ausstellung FILM AB! – 130 Jahre Kino und Film in Köln. Die kleine multimediale Präsentation im Museumsfoyer entstand in Zusammenarbeit mit Köln im Film e. V. und wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Gleich am Freitag gibt es eine ungewöhnliche filmische Begegnung mit Köln, Ende Oktober und Anfang November laden Stadtführungen zur Entdeckung historischer Kinospuren ein.

Von Werner Busch.


Am 20. April 1896 wurde Köln zum Schauplatz eines besonderen Ereignisses: Am Augustinerplatz 12 präsentierte der „Cinématographe Lumière“ erstmals bewegte Bilder vor zahlendem Publikum. Nur wenige Monate nach den ersten Vorführungen der Brüder Lumière in Paris hielt damit das Kino Einzug in Köln. Was damals noch eine technische Sensation war, entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des städtischen Lebens.

130 Jahre später erinnert das Kölnische Stadtmuseum gemeinsam mit dem Verein Köln im Film an diese Anfänge und die weitere Entwicklung der Film- und Kinogeschichte. Unter dem Titel FILM AB! – 130 Jahre Kino und Film in Köln ist vom 15. Oktober 2026 bis zum 14. März 2027 eine kleine multimediale Ausstellung im OPEN SPACE, dem frei zugänglichen Museumsfoyer, zu sehen.

Historische Filmaufnahmen, frühe Trickfilme sowie Ausschnitte aus Spiel- und Dokumentarfilmen zeigen, wie sich das bewegte Bild in Köln entwickelte und wie die Stadt selbst immer wieder zum Filmgegenstand wurde. Auch die Geschichte der Kölner Lichtspielhäuser spielt eine Rolle – von den ersten Ladenkinos über die großen Filmpaläste bis zur heutigen Kinolandschaft. Kuratiert wurde die Präsentation von Stefanie Wüster-Bludau und Caroline Nokel vom Verein Köln im Film, der seit zwei Jahrzehnten die lokale Film- und Kinogeschichte erforscht und dokumentiert. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Köln aus der Perspektive der DDR: Der Hauptmann von Köln

Bereits am Freitag, 16. Oktober, um 20 Uhr lädt Köln im Film gemeinsam mit dem Filmclub 813 zu einer besonderen Filmvorführung ein. Auf dem Programm steht Slatan Dudows DEFA-Satire Der Hauptmann von Köln aus dem Jahr 1956.

Darin wird der arbeitslose Kellner Albert Hauptmann (Rolf Ludwig) im Köln der Adenauer-Zeit irrtümlich für einen ehemaligen Wehrmachtsoffizier gehalten. Die Verwechslung erweist sich als ausgesprochen karrierefördernd: Hauptmann steigt zum Direktor eines großen Industrieunternehmens auf und schafft es sogar in den Bundestag. Doch der echte Hauptmann, ein untergetauchter Kriegsverbrecher, hat eigene Pläne.

Dudows bissige Satire nimmt die personellen Kontinuitäten zwischen Nationalsozialismus und junger Bundesrepublik aufs Korn. Besonders interessant ist dabei die Perspektive: Ein DDR-Film blickt mitten im Kalten Krieg auf die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft und macht aus Köln einen Schauplatz politischer Abrechnung. Gedreht wurde übrigens vollständig im Studio – das filmische Köln entstand aus Kulissen, einem Dombild, Neonreklamen und allerlei zeittypischen Versatzstücken westdeutschen Lebens.

Der Film läuft als 35-mm-Kopie im Kino 813 in der BRÜCKE. Der Eintritt beträgt 7 Euro, für Mitglieder des Freundeskreises des Filmclubs 813 ermäßigt 5 Euro.

Auf den Spuren verschwundener Kinos

Wer Kölns Kinogeschichte lieber zu Fuß erkunden möchte, bekommt dazu am 25. Oktober und 8. November, jeweils um 12 Uhr, Gelegenheit. Die Stadtführungen Kinospuren – 130 Jahre Kölner Kinogeschichte, veranstaltet von Köln im Film, führen an zahlreiche Orte, an denen einst Filmgeschichte geschrieben wurde.

Die Tour beginnt im Foyer des Kölnischen Stadtmuseums und damit unmittelbar bei der neuen Ausstellung. Von dort geht es auf einen Streifzug durch 130 Jahre Kinogeschichte: zu ehemaligen Lichtspielhäusern auf der Breiten Straße und Ehrenstraße, zu den einstigen Kinohochburgen rund um den Rudolfplatz und die Hahnenstraße und schließlich zum traditionsreichen Filmpalast am Ring.

Dabei wird deutlich, wie sehr sich die Kölner Kinolandschaft verändert hat. Die allermeisten Lichtspielhäuser, die einst das Stadtbild prägten und zu den beliebtesten Treffpunkten der Kölnerinnen und Kölner gehörten, sind längst verschwunden. Andere Kinostandorte haben bis heute überlebt. Die Führungen erzählen von dieser Entwicklung und erinnern an eine Zeit, in der es in der Innenstadt und den Veedeln noch eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Kinos gab.

Die Rundgänge dauern etwa anderthalb bis zwei Stunden und kosten 15 Euro pro Person. Da die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt ist, ist eine Anmeldung unter presse@koeln-im-film.de erforderlich. Ein weiterer Termin ist bereits für den 21. Februar 2027 geplant.

Noch mehr Filmgeschichte

Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst weitere Filmvorführungen, Workshops und Gespräche. Am 7. und 8. November können beispielsweise Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren beim zweitägigen Trickfilm-Workshop Lebende Plakate eigene animierte Werbefilme gestalten – inspiriert von den Pionieren des Trickfilms der 1920er-Jahre.

Im Dezember stehen außerdem historische Kölner Werbefilme auf dem Programm. Bei einem Short Monday im Filmhaus Kino sind unter anderem Arbeiten von Lotte Reiniger und Hans Richter zu entdecken. Auch kostenlose Kurator:innenführungen durch die Ausstellung sind geplant.


Die nächsten Termine im Überblick

DatumVeranstaltungOrt
Do., 15.10.2026Eröffnung FILM AB! – 130 Jahre Kino und Film in KölnKölnisches Stadtmuseum, OPEN SPACE
Fr., 16.10., 20 UhrDer Hauptmann von Köln (Slatan Dudow, DDR 1956, 118 Min., 35 mm)Kino 813 in der BRÜCKE
So., 25.10., 12 UhrStadtführung KinospurenTreffpunkt: OPEN SPACE, Stadtmuseum
Sa./So., 7./8.11., 10–16 UhrTrickfilm-Workshop Lebende PlakateKölnisches Stadtmuseum
So., 8.11., 12 UhrStadtführung KinospurenTreffpunkt: OPEN SPACE, Stadtmuseum
Do., 3.12., 18 UhrKurator:innenführung durch FILM AB!Kölnisches Stadtmuseum
Mo., 14.12., 20 UhrShort Monday: Kölner WerbefilmeFilmhaus Kino
So., 21.2.2027, 12 UhrStadtführung KinospurenTreffpunkt: OPEN SPACE, Stadtmuseum

Ausstellung: 15. Oktober 2026 bis 14. März 2027, Kölnisches Stadtmuseum, Minoritenstraße 13. Der Eintritt in den OPEN SPACE ist kostenlos.

Weitere Informationen und Anmeldungen: Köln im Film – FILM AB!

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