Festival Filmszene Aktuell

Edimotion 2026: Die Schnitt Preise sind vergeben

Mit der Verleihung der Schnitt Preise ging am Montagabend die 26. Ausgabe von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst zu Ende. Im Filmforum NRW wurden herausragende Montageleistungen in Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen ausgezeichnet. Der Ehrenpreis ging an die österreichische Editorin Karina Ressler. Die Festivalleitung zog eine positive Bilanz von vier Tagen voller Filmvorführungen, Begegnungen und Diskussionen.

Von Werner Busch.


Vier Tage lang stand Köln erneut im Zeichen der Filmmontage. 15 nominierte Filme waren in den drei Wettbewerbskategorien zu sehen, begleitet von Gesprächen mit den Editor*innen über ihre Arbeit und die Entstehung der Filme. Den Abschluss bildete die feierliche Verleihung der mit insgesamt 17.500 Euro dotierten Schnitt Preise im Filmforum NRW.

Die Gewinner*innen der Schnitt Preise 2026

Der Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm (7.500 Euro) ging an Gesa Jäger für die Montage von Gelbe Briefe. Die Jury würdigte insbesondere die Fähigkeit der Montage, die inneren Konflikte der Figuren sichtbar zu machen und zugleich gesellschaftspolitische Fragen zu verhandeln. »In einer scheinbar klaustrophoben Welt ist es die Montage, die Räume öffnet«, heißt es in der Begründung. Die präzise Arbeit auf Bild- und Tonebene schaffe eine Nähe zu den Figuren, die über den Film hinauswirke.

Mit dem Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm (7.500 Euro) wurde Jana Dugnus für Im Prinzip Familie ausgezeichnet. Die Jury lobte, wie die Montage den Alltag von Kindern und ihren Betreuerinnen verdichte, ohne den Figuren ihre Eigenständigkeit zu nehmen. Sie verbinde »mit Feingefühl, Diskretion und Respekt vor den Protagonistinnen« persönliche Beobachtungen mit grundlegenden gesellschaftlichen Fragen nach Erziehung und Geborgenheit. Das Ergebnis sei »bestes, sozial genaues, berührendes und poetisches Geschichten-Erzählen!«

Den Förderpreis Schnitt (2.500 Euro) erhielt Anjuna Hartmann für den Kurzfilm From Ecuador With Love. Der Film verfolgt die industrielle Produktion und Verarbeitung von Rosen in Ecuador. »Die Rose wird zum Produkt, hineingepresst in kapitalistische Verwertungsprozesse«, beschrieb die Jury den Ausgangspunkt. Die Montage entwickle aus Bildern und Tönen einen eigenen Rhythmus, der die mechanisierten Arbeitsabläufe erfahrbar mache. Durch ihre »visuelle Abstraktion und kompromisslose Verdichtung« werde die Arbeit zur eindringlichen Metapher.

Ehrenpreis für Karina Ressler

Der Ehrenpreis Schnitt 2026 wurde an Karina Ressler verliehen, die seit mehr als drei Jahrzehnten zu den prägenden Editorinnen des europäischen Autorenkinos zählt. Zu ihren langjährigen künstlerischen Weggefährt*innen gehören Jessica Hausner, Götz Spielmann, Barbara Albert, Sabine Derflinger und Patric Chiha.

Die Laudatio hielt Regisseurin Jessica Hausner, mit der Ressler seit Hotel (2003) zusammenarbeitet. »Ich glaube, wir wollen uns nicht auf bestimmte Konventionen verlassen, sondern wir wollen künstlerisch arbeiten und wir wollen etwas erfinden«, beschrieb Hausner ihre gemeinsame Haltung. Für sie entstehe der eigentliche Film erst im Schneideraum, wenn Ressler das gedrehte Material noch einmal mit einem unvoreingenommenen Blick betrachte. Sie sei eine »sehr tolle Partnerin in Crime«. Sechs gemeinsame Filme haben die beiden inzwischen realisiert, der nächste ist für 2027 geplant.

Auszeichnungen der Jungen Festivaljury

Auch die Junge Festivaljury, die in Kooperation mit doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche zusammenkam, vergab zwei Auszeichnungen.

Im Spielfilmbereich wurde Hansjörg Weißbrich für Rose geehrt. Die jungen Juror*innen würdigten besonders den Mut der Montage, den Bildern Zeit zu lassen und ihre Wirkung zu entfalten: »Ein Film, der jeder Szene Atem schenkt.«

Im Dokumentarfilmbereich ging die Auszeichnung an Kathrin Schmid und Laura Coppens für Sedimente. Die Jury hob hervor, wie die Montage aus Interviews, Archivmaterial und persönlichen Erfahrungen eine vielschichtige Erzählung entwickle, die auch durch ihren Humor überzeuge.

Volle Kinos, internationaler Austausch und ein neuer Studierendenrekord

Neben den Preisverleihungen zieht die Festivalleitung eine positive Bilanz. »Edimotion hat einmal mehr gezeigt, wie wandelbar und facettenreich die Kunst des Filmschnitts ist«, erklärte die künstlerische Leiterin Kyra Scheurer. Volle Kinos, intensive Diskussionen und ein zunehmend internationaler Austausch hätten die vier Festivaltage geprägt.

Besonders erfreulich sei das wachsende Interesse des filmischen Nachwuchses. Mit 126 akkreditierten Filmstudierenden verzeichnete das Festival einen neuen Rekord. Neben Hochschulgruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Brüssel war erstmals auch eine Delegation einer katalanischen Filmhochschule aus Barcelona angereist. Der generationsübergreifende Austausch sei damit zu einem wesentlichen Bestandteil der Festivalatmosphäre geworden.

Für die organisatorische Leiterin Tama Tobias-Macht standen zudem die Bemühungen um Vielfalt und Teilhabe im Mittelpunkt. »Edimotion 2026 hat gezeigt, dass Diversität und Inklusion für uns keine leeren Floskeln sind, sondern Werte, die wir im Festivalalltag aktiv leben und stetig weiterentwickeln.« Dabei betonte sie, dass die Arbeit an einem zugänglichen Festival nicht abgeschlossen sei: »Besonders Inklusion verstehen wir als fortlaufenden Prozess, den wir konsequent vorantreiben – in unseren Strukturen, im Programm und im Miteinander.«

Zum Rahmenprogramm gehörten sechs Workshops der Edimotion Akademie, eine internationale Masterclass mit Elísabet Ronaldsdóttir sowie Panels über Künstliche Intelligenz, ethische Fragen des Filmschnitts, Games und vertikale Bewegtbildformate. Das International Film Editors Forum brachte 40 Teilnehmende aus 25 Ländern zusammen. Gastland war in diesem Jahr Norwegen, vertreten unter anderem durch Editor Jens Christian Fodstad, der im Anschluss an Oslo Stories: Träume über seine Arbeit sprach.

Die 27. Ausgabe von Edimotion findet vom 22. bis 25. Oktober 2027 in Köln statt.

Weitere Informationen: www.edimotion.de

Hinweis: Der Autor ist auch für Edimotion tätig und kuratiert die Kurzfilmsektion des Festivals.

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