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Monster, Glamour und 35 Millimeter: Der Filmclub 813 feiert Rocky Horror Expanded

Pünktlich zu Halloween startet der Filmclub 813 eine außergewöhnliche Filmreihe rund um den Kultklassiker The Rocky Horror Picture Show. Neben selten gezeigten Horrorfilmen und queeren Underground-Entdeckungen gibt es ein besonderes Wiedersehen: Gemeinsam mit dem Kölnischen Kunstverein präsentiert der Filmclub eine von der Künstlerin Ser Serpas inszenierte Live-Performance zum Film.

Von Werner Busch.


Halloween ist für den Filmclub 813 eine schöne Gelegenheit, tief in der Filmgeschichte zu graben. Unter dem Titel Rocky Horror Expanded widmet sich das Kölner Kino ab dem 28. Oktober den filmischen Vorfahren, Verwandten und Seelengefährten der legendären Rocky Horror Picture Show. Das Programm reicht von den Horrorklassikern der frühen 1930er-Jahre über die sexuelle Befreiung des Underground-Kinos bis zu exzentrischen Rockmusicals. Und wie es sich für den Filmclub gehört, werden nahezu alle Filme auf 35-mm- oder 16-mm-Kopien gezeigt – darunter einige echte Raritäten.

Im Mittelpunkt steht natürlich The Rocky Horror Picture Show (1975). Was mit Jim Sharmans Verfilmung des Musicals von Richard O’Brien begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem der außergewöhnlichsten Phänomene der Kinogeschichte. Ein Film, bei dem das Publikum nicht einfach still im Sessel sitzt, sondern mitsingt, mitruft und mitspielt. Die Grenzen zwischen Leinwand und Zuschauerraum werden dabei regelmäßig aufgehoben. Außerdem eine schöne Gelegenheit für ein Wiedersehen mit dem großartigen Hauptdarsteller Tim Curry, der im August diesen Jahres mit 80 Jahren verstorben ist.

Rocky Horror wird zur Live-Performance

Für die Kölner Aufführungen hat die Künstlerin Ser Serpas, die derzeit mit ihrer Ausstellung sonderbare Tage im Kölnischen Kunstverein vertreten ist, eine eigene Shadowcast-Performance entwickelt. Sieben Performer:innen begleiten den Film live, verkörpern Figuren und reagieren auf ausgewählte Szenen. Dabei geht es nicht um eine vollständige Nachstellung der Filmhandlung: Rollen werden geteilt, Figuren wechseln und manche Szenen erhalten eine ganz eigene Interpretation.

Das Publikum darf und soll sich beteiligen. Die Performance ist ausdrücklich auf spontane Reaktionen ausgelegt, auch wenn diesmal auf die sonst üblichen mitgebrachten Requisiten verzichtet wird.

Zwei der insgesamt vier Aufführungen haben bereits stattgefunden. Am 5. November und am 10. Dezember gibt es noch einmal Gelegenheit, diese besondere Inszenierung zu erleben. Gezeigt wird eine hervorragende analoge 35-mm-Kopie des Films.

Besonders erfreulich ist dabei die Zusammenarbeit zwischen dem Filmclub 813 und dem Kölnischen Kunstverein. Nach den Auseinandersetzungen um die Zukunft des Kinos in vergangenen Jahren, die sogar vor Gericht ausgetragen wurden, ist eine solche Kooperation keineswegs selbstverständlich. Umso schöner, dass die beiden Kulturinstitutionen, die seit vielen Jahren unter einem Dach an der Hahnenstraße zu Hause sind, wieder gemeinsame Projekte verwirklichen. Mit The Rocky Horror Picture Show haben sie dafür einen Film gewählt, der selbst auf wunderbar anarchische Weise von der Überwindung gesellschaftlicher Konventionen erzählt.

Das von Boris Karloff gespielte Monster glaubt, in Frankensteins Braut (Bride of Frankenstein) von Regisseur James Whale seine wahre Gefährtin gefunden zu haben. Die vermeintliche Braut wird von der britischen Schauspielerin Elsa Lanchester dargestellt. Foto: Universal

Halloween mit Frankenstein und seiner Braut

Die begleitende Filmreihe Rocky Horror Expanded geht den Ursprüngen und Einflüssen des Kultfilms nach. Den Auftakt macht am Mittwoch, 28. Oktober, James Whales The Old Dark House (1932). Darin sucht eine Gruppe Reisender während eines Unwetters Zuflucht in einem abgelegenen Herrenhaus, dessen Bewohner sich als zunehmend unheimlich erweisen. Die Parallelen zu den Abenteuern von Brad und Janet in The Rocky Horror Picture Show sind unübersehbar. Der Film ist zugleich ein frühes Beispiel jener Mischung aus Gothic-Horror, schwarzem Humor und Camp, die später auch das Musical prägen sollte.

Am Halloween-Abend, Samstag, 31. Oktober, folgt ein besonders schönes Double Feature: Frankenstein (1931) und Bride of Frankenstein (1935), ebenfalls von James Whale. Beide Filme gehören zu den bedeutendsten Werken des klassischen Hollywood-Horrorkinos. Gerade Bride of Frankenstein lässt sich heute auch als ein Film über Außenseitertum, Andersartigkeit und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit entdecken.

Für The Old Dark House und Bride of Frankenstein hat der Filmclub 35-mm-Erhaltungskopien aus der Library of Congress in Washington, D. C. organisiert. Eine bemerkenswerte Gelegenheit, diese Klassiker in ihrem ursprünglichen Kinoformat zu erleben. Gerade bei den kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern, den Schatten und den expressionistisch beeinflussten Kulissen ist eine analoge Filmvorführung ein ganz besonderes Vergnügen.

Von queerem Underground bis zum Rockmusical

Dass The Rocky Horror Picture Show weit mehr als eine liebevolle Parodie auf alte Horrorfilme ist, zeigt der weitere Verlauf der Reihe. Mit Thundercrack! (1975) von Curt McDowell steht ein ebenso exzessiver wie sexuell expliziter Undergroundfilm auf dem Programm, in dem eine Gruppe Reisender in einem unheimlichen Haus strandet. Auch hier geraten die gesellschaftlichen und sexuellen Konventionen gründlich durcheinander.

Weitere Stationen im November sind Jack Arnolds Science-Fiction-Klassiker It Came from Outer Space (1953), Derek Jarmans Punkfilm Jubilee (1978) und Brian De Palmas Phantom of the Paradise (1974), eine wilde Mischung aus Horror, Musikfilm und Pop-Satire, die bereits ein Jahr vor Rocky Horror entstand.

Der Filmclub war schon immer gut darin, nicht einfach Kultfilme zu zeigen, sondern die vielfältigen Verbindungen zur Filmgeschichte sichtbar zu machen. Dass der Filmclub dafür wieder einmal seltene analoge Kopien zusammengetragen hat, macht die Sache umso reizvoller.

Die Termine von Rocky Horror Expanded

Mittwoch, 28. Oktober, 20 Uhr
The Old Dark House (1932), James Whale – 35 mm, Originalfassung

Samstag, 31. Oktober, 20 Uhr – Halloween-Double-Feature
Frankenstein (1931) und Bride of Frankenstein (1935), James Whale – beide 35 mm, Originalfassung

Mittwoch, 4. November, 20 Uhr
Thundercrack! (1975), Curt McDowell – 16 mm, Originalfassung

Donnerstag, 5. November, 18 Uhr
The Rocky Horror Picture Show (1975), Jim Sharman – 35 mm, mit Live-Shadowcast-Performance von Ser Serpas

Mittwoch, 11. November, 20 Uhr
Die Nacht des Schicksals (1981), Helmer von Lützelburg – 16 mm, OmeU

Mittwoch, 18. November, 20 Uhr
Gefahr aus dem Weltall (It Came from Outer Space, 1953), Jack Arnold – 35 mm, deutsche Fassung

Mittwoch, 25. November, 20 Uhr
Jubilee (1978), Derek Jarman – 16 mm, OmU

Samstag, 28. November, 20 Uhr
Phantom of the Paradise (1974), Brian De Palma – 35 mm, Originalfassung

Donnerstag, 10. Dezember, 18 Uhr
The Rocky Horror Picture Show (1975) – 35 mm, mit Live-Shadowcast-Performance von Ser Serpas

Veranstaltungsort: Kino 813 in der BRÜCKE, Hahnenstraße 6, 50667 Köln

Weitere Informationen und das vollständige Programm: filmclub-813.de


Titelbild: Eine schrecklich schräge Gesellschaft – Nell Campbell als Columbia, Patricia Quinn als Magenta, Tim Curry als Dr. Frank-N-Furter und Richard O’Brien als Riff Raff in The Rocky Horror Picture Show (1975). Foto: © 20th Century Fox


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