Mit dem vielfach ausgezeichneten Kameramann Fabian Gamper startet am 28. Oktober im Kölner Filmhaus die neue Gesprächsreihe »Filmlicht erzählen«. Initiator und Moderator ist der Kölner Filmemacher und Fachbuchautor Achim Dunker, der mit seinen Gästen die gestalterischen Möglichkeiten von Licht und Kamera erkunden möchte. Zum Auftakt steht Mascha Schilinskis Film In die Sonne schauen im Mittelpunkt.
Von Werner Busch.
Wie lässt sich Zeit in Bildern sichtbar machen? Wie können Licht, Schatten und Unschärfe Erinnerungen wachrufen oder Gefühle vermitteln? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die neue Gesprächsreihe »Filmlicht erzählen«, die am Mittwoch, 28. Oktober, um 20 Uhr im Kölner Filmhaus Premiere feiert.
Den Auftakt macht der Schweizer Kameramann Fabian Gamper, dessen außergewöhnliche Bildgestaltung für Mascha Schilinskis In die Sonne schauen international für Aufsehen gesorgt hat. Der Film gewann 2025 in Cannes den Preis der Jury. Gamper wurde für seine Kameraarbeit unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis, dem Deutschen Kamerapreis und dem Silbernen Frosch beim renommierten Kamerafestival Camerimage ausgezeichnet.
Bilder wie aus einer Erinnerung
In die Sonne schauen erzählt von vier Mädchen und jungen Frauen, deren Leben sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg auf demselben Vierseitenhof in der Altmark abspielen. Ihre Geschichten sind durch Erfahrungen, Geheimnisse und Traumata miteinander verbunden. Schilinski und Gamper entwickelten dafür eine eigenwillige visuelle Sprache, in der die verschiedenen Zeitebenen ineinanderzufließen scheinen.
Besonders ist dabei die Perspektive der Kamera: Sie bewegt sich häufig wie ein unsichtbarer Beobachter durch die Räume, scheint den Menschen nachzuspüren und gelegentlich selbst Teil ihrer Wahrnehmung zu werden. Bilder verlieren an Schärfe, Gesichter verschwimmen, Lichtquellen überstrahlen die Umgebung, dunkle Bildbereiche entziehen sich dem Blick. Die Aufnahmen besitzen eine eigentümliche, bisweilen geisterhafte Präsenz.
Für diesen Look experimentierte Gamper mit unterschiedlichen optischen Verfahren. Neben historischen Cooke-Speed-Panchro-Objektiven kamen eigens modifizierte Objektive und Lochkamera-Effekte zum Einsatz. Eine wichtige Inspiration war die Fotografin Francesca Woodman, deren Arbeiten häufig mit Bewegungsunschärfen und schemenhaften Figuren spielen.
Ursprünglich wollten Schilinski und Gamper den Film auf 16-mm-Material drehen, doch dafür reichte das Budget nicht. Stattdessen kam vor allem eine digitale ARRI Alexa Mini zum Einsatz. Die gewünschte analoge Anmutung entstand durch eine ungewöhnliche Kombination aus optischen Experimenten beim Dreh und digitaler Nachbearbeitung: Ausgeprägtes Filmkorn, reduzierte Bildschärfe und künstliche Überstrahlungseffekte, sogenannte Halationen, wurden in der Postproduktion hinzugefügt. Gleichzeitig setzte Gamper auf hochmoderne Kameratechnik. Für einige der schwebenden Fahrten durch den historischen Vierseitenhof kombinierte er einen elektronischen Gimbal mit einem Steadicam-System, um besonders flexible Kamerabewegungen zu ermöglichen. Die aufwendigere ARRI-Trinity-Technik hätte das Budget gesprengt. So entstand eine bemerkenswerte Verbindung aus historischen Objektiven, digital erzeugter Filmästhetik und moderner Kamerastabilisierung, die sich konsequent in den Dienst der Erzählung stellt.
Bemerkenswert ist auch, dass Gamper die vier Zeitebenen bewusst nicht durch unterschiedliche Bildstile voneinander abgrenzen wollte. Stattdessen entsteht ein gemeinsamer visueller Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Unterschiede ergeben sich unter anderem durch die jeweiligen Lichtquellen – vom Kerzenschein früherer Jahrzehnte bis zur elektrischen Beleuchtung der Gegenwart.
Wie diese Gestaltungsmittel entwickelt und umgesetzt wurden, wird Gamper im Filmhaus anhand ausgewählter Filmausschnitte erläutern. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit mit Regie, Szenenbild und Kostüm sowie um ganz praktische Fragen der Kameratechnik und Lichtsetzung.
Achim Dunker – ein Experte für Filmlicht und Kameragestaltung
Achim Dunkel, Foto: privat
Initiator und Moderator der neuen Reihe ist Achim Dunker, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Gestaltung bewegter Bilder beschäftigt. Der Kölner Diplom-Fotoingenieur, Filmemacher und Hochschuldozent gehört zu den profilierten Vermittlern von Wissen über Licht und Kamera im deutschsprachigen Raum.Auch auf Instagram beschäftigt er sich mit Fragen der filmischen Bildgestaltung.
Bekannt ist Dunker insbesondere als Autor mehrerer Fachbücher. Sein Standardwerk Die chinesische Sonne scheint immer von unten beschäftigt sich mit der Licht- und Schattengestaltung im Film. In eins zu hundert – Die Möglichkeiten der Kameragestaltung untersucht er, wie Bildausschnitte, Perspektiven, Brennweiten und Kamerabewegungen unsere Wahrnehmung einer filmischen Erzählung beeinflussen.
Dabei interessiert ihn stets die Verbindung von technischen Möglichkeiten und erzählerischer Wirkung. Was macht eine bestimmte Beleuchtung mit einer Szene? Wie verändert eine Kameraperspektive unser Verhältnis zu einer Figur? Und warum erinnern wir uns an manche Filmbilder noch Jahre später?
Mit »Filmlicht erzählen« bringt Dunker diese Fragen nun auf die Bühne des Kölner Filmhauses. Die Gespräche sollen Einblicke in die Arbeit von Kameraleuten ermöglichen und zugleich dafür sensibilisieren, wie bewusst Licht und Bilder im Kino eingesetzt werden.
Den Auftakt mit Fabian Gamper begleitet eine Auswahl von Filmausschnitten. Auch das Publikum erhält Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Filmlicht erzählen: Gespräch mit Fabian Gamper Mittwoch, 28. Oktober 2026, 20:00 Uhr Kölner Filmhaus Moderation: Achim Dunker Eintritt: 12 Euro
Die Reihe wird durch das Kulturamt der Stadt Köln gefördert.
Mit dem vielfach ausgezeichneten Kameramann Fabian Gamper startet am 28. Oktober im Kölner Filmhaus die neue Gesprächsreihe »Filmlicht erzählen«. Initiator und Moderator ist der Kölner Filmemacher und Fachbuchautor Achim Dunker, der mit seinen Gästen die gestalterischen Möglichkeiten von Licht und Kamera erkunden möchte. Zum Auftakt steht Mascha Schilinskis Film In die Sonne schauen im Mittelpunkt.
Von Werner Busch.
Wie lässt sich Zeit in Bildern sichtbar machen? Wie können Licht, Schatten und Unschärfe Erinnerungen wachrufen oder Gefühle vermitteln? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die neue Gesprächsreihe »Filmlicht erzählen«, die am Mittwoch, 28. Oktober, um 20 Uhr im Kölner Filmhaus Premiere feiert.
Den Auftakt macht der Schweizer Kameramann Fabian Gamper, dessen außergewöhnliche Bildgestaltung für Mascha Schilinskis In die Sonne schauen international für Aufsehen gesorgt hat. Der Film gewann 2025 in Cannes den Preis der Jury. Gamper wurde für seine Kameraarbeit unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis, dem Deutschen Kamerapreis und dem Silbernen Frosch beim renommierten Kamerafestival Camerimage ausgezeichnet.
Bilder wie aus einer Erinnerung
In die Sonne schauen erzählt von vier Mädchen und jungen Frauen, deren Leben sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg auf demselben Vierseitenhof in der Altmark abspielen. Ihre Geschichten sind durch Erfahrungen, Geheimnisse und Traumata miteinander verbunden. Schilinski und Gamper entwickelten dafür eine eigenwillige visuelle Sprache, in der die verschiedenen Zeitebenen ineinanderzufließen scheinen.
Besonders ist dabei die Perspektive der Kamera: Sie bewegt sich häufig wie ein unsichtbarer Beobachter durch die Räume, scheint den Menschen nachzuspüren und gelegentlich selbst Teil ihrer Wahrnehmung zu werden. Bilder verlieren an Schärfe, Gesichter verschwimmen, Lichtquellen überstrahlen die Umgebung, dunkle Bildbereiche entziehen sich dem Blick. Die Aufnahmen besitzen eine eigentümliche, bisweilen geisterhafte Präsenz.
Für diesen Look experimentierte Gamper mit unterschiedlichen optischen Verfahren. Neben historischen Cooke-Speed-Panchro-Objektiven kamen eigens modifizierte Objektive und Lochkamera-Effekte zum Einsatz. Eine wichtige Inspiration war die Fotografin Francesca Woodman, deren Arbeiten häufig mit Bewegungsunschärfen und schemenhaften Figuren spielen.
Ursprünglich wollten Schilinski und Gamper den Film auf 16-mm-Material drehen, doch dafür reichte das Budget nicht. Stattdessen kam vor allem eine digitale ARRI Alexa Mini zum Einsatz. Die gewünschte analoge Anmutung entstand durch eine ungewöhnliche Kombination aus optischen Experimenten beim Dreh und digitaler Nachbearbeitung: Ausgeprägtes Filmkorn, reduzierte Bildschärfe und künstliche Überstrahlungseffekte, sogenannte Halationen, wurden in der Postproduktion hinzugefügt. Gleichzeitig setzte Gamper auf hochmoderne Kameratechnik. Für einige der schwebenden Fahrten durch den historischen Vierseitenhof kombinierte er einen elektronischen Gimbal mit einem Steadicam-System, um besonders flexible Kamerabewegungen zu ermöglichen. Die aufwendigere ARRI-Trinity-Technik hätte das Budget gesprengt. So entstand eine bemerkenswerte Verbindung aus historischen Objektiven, digital erzeugter Filmästhetik und moderner Kamerastabilisierung, die sich konsequent in den Dienst der Erzählung stellt.
Bemerkenswert ist auch, dass Gamper die vier Zeitebenen bewusst nicht durch unterschiedliche Bildstile voneinander abgrenzen wollte. Stattdessen entsteht ein gemeinsamer visueller Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Unterschiede ergeben sich unter anderem durch die jeweiligen Lichtquellen – vom Kerzenschein früherer Jahrzehnte bis zur elektrischen Beleuchtung der Gegenwart.
Wie diese Gestaltungsmittel entwickelt und umgesetzt wurden, wird Gamper im Filmhaus anhand ausgewählter Filmausschnitte erläutern. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit mit Regie, Szenenbild und Kostüm sowie um ganz praktische Fragen der Kameratechnik und Lichtsetzung.
Achim Dunker – ein Experte für Filmlicht und Kameragestaltung
Initiator und Moderator der neuen Reihe ist Achim Dunker, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Gestaltung bewegter Bilder beschäftigt. Der Kölner Diplom-Fotoingenieur, Filmemacher und Hochschuldozent gehört zu den profilierten Vermittlern von Wissen über Licht und Kamera im deutschsprachigen Raum. Auch auf Instagram beschäftigt er sich mit Fragen der filmischen Bildgestaltung.
Bekannt ist Dunker insbesondere als Autor mehrerer Fachbücher. Sein Standardwerk Die chinesische Sonne scheint immer von unten beschäftigt sich mit der Licht- und Schattengestaltung im Film. In eins zu hundert – Die Möglichkeiten der Kameragestaltung untersucht er, wie Bildausschnitte, Perspektiven, Brennweiten und Kamerabewegungen unsere Wahrnehmung einer filmischen Erzählung beeinflussen.
Dabei interessiert ihn stets die Verbindung von technischen Möglichkeiten und erzählerischer Wirkung. Was macht eine bestimmte Beleuchtung mit einer Szene? Wie verändert eine Kameraperspektive unser Verhältnis zu einer Figur? Und warum erinnern wir uns an manche Filmbilder noch Jahre später?
Mit »Filmlicht erzählen« bringt Dunker diese Fragen nun auf die Bühne des Kölner Filmhauses. Die Gespräche sollen Einblicke in die Arbeit von Kameraleuten ermöglichen und zugleich dafür sensibilisieren, wie bewusst Licht und Bilder im Kino eingesetzt werden.
Den Auftakt mit Fabian Gamper begleitet eine Auswahl von Filmausschnitten. Auch das Publikum erhält Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Filmlicht erzählen: Gespräch mit Fabian Gamper
Mittwoch, 28. Oktober 2026, 20:00 Uhr
Kölner Filmhaus
Moderation: Achim Dunker
Eintritt: 12 Euro
Die Reihe wird durch das Kulturamt der Stadt Köln gefördert.
Tickets und weitere Informationen:
Filmhaus Köln – Filmlicht erzählen
Titelbild: In die Sonne schauen, Foto: Neue Visionen