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Trifft das Plüscheinhorn auf das Alienmonster: Das Fantasy Filmfest 2026

Das Fantasy Filmfest feiert seinen 40. Geburtstag. Auch in Köln, das seit 1992 zu den Festivalstädten gehört. In der diesjährigen Ausgabe geben sich wiederaufgeführte Klassiker, mysteriöse Supermärkte und mörderische Plüscheinhörner die Klinke in die Hand.

Von Nils Bothmann.


Ab Mittwoch, den 9. September, startet die diesjährige Ausgabe des Fantasy Filmfest in Köln, in der Residenz Astor Filmlounge. Für eine gute Woche, bis Mittwoch, den 16. September, ist mal eine Auswahl von Genrefilmen aus aller Welt zu sehen. Der Vorverkauf startete am 21. August und einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Besonders gut im Programm kennt sich Matthias Strunz, das Kölner Gesicht des FFF aus, mit dem wir auf die diesjährige Ausgabe voraus-, aber auch ein wenig in die Vergangenheit blicken.

Matthias Strunz (l.) mit Thilo Gosejohann (Copyright: Fantasy Filmfest)

Matthias‘ besondere Empfehlung ist der diesjährige Eröffnungsfilm Leviticus (2026) – der allerdings zu den bereits ausverkauften gehört. „Leviticus ist wahrscheinlich der tollste Film von allen, der Höhepunkt und ein Must-See. Wahnsinnig toll gemacht und mit unglaublichen Schauspielern, richtig auf Film gedreht, und mit einer unheimlichen Liebe zu Bildern, das ist ja immer ganz wichtig. Bei vielen Filmen heutzutage geht genau das ja leider verloren. Und der hat eine wahnsinnig tolle Geschichte.“ Die oft benutzte Zusammenfassung „It Follows meets Heated Rivalry“ kann er allerdings nicht teilen. „Der spielt nicht beim Eishockey und es ist auch in dem Sinne keine Liebesgeschichte. Da geht es hart zur Sache, wie so oft im ländlichen Australien: Da werden die Jungs von ihren religiös-extremen Eltern in eine Umerziehungsreinrichtung gesteckt. Und, ich will nicht spoilern, aber es geht nicht wie in It Follows um einen Geist, der von einer Person zur anderen springt. Aber es ist ein richtiger Horrorfilm, nicht nur weil die Eltern ihre Kinder in diese Anstalt stecken. Der hat auch noch keinen Verleih in Deutschland. Artur und Rainer wurde der angeboten, und die haben den direkt nach dem Sichten als Eröffnungsfilm genommen.“ Zum Auswahlprozess für das FFF haben wir auch in mit Festival-Co-Direktor Artur Brzozowski in unserem Interview zum Jubiläum gesprochen.

Neben dem Eröffnungsfilm ist auch der Abschlussfilm immer ein besonderer und besonders begehrter Film. Auch Hope (2026) von Na Hong-jin ist bereits ausverkauft. Der südkoreanische Filmemacher und das Festival sind eng verbunden, denn die drei Vorgängerfilme des Regisseurs – The Chaser (2008), The Yellow Sea (2010) und The Wailing (2016) – waren alle auf FFF-Veranstaltungen zu sehen. „Hope lief ja in Cannes, und die Leute waren etwas angepisst, weil die Effekte von den Alienmonstern noch nicht fertig waren. Der ist nach dieser massiven Kritik nochmal überarbeitet worden und wir haben jetzt die fertige Fassung mit guten Effekten. Den muss man gucken – koreanische Endzeitfilme sind ja eh immer klasse“, meint Matthias. Wer keine Karte für Hope ergattern konnte, aber trotzdem einen Na-Hong-jin-Film auf der großen Leinwand sehen, für den gibt es die Wiederaufführung von The Chaser am Montag, den 14. September um 21.30 Uhr.

Japanischer Supermarkt-Horror in AnyMart (Copyright: NOTHING NEW inc.)

Gleichermaßen überrascht wie erfreut ist Matthias von dem Andrang für den japanischen Supermarkt-Horrorfilm AnyMart (2026), der am Samstag, den 12. September, um 15 Uhr läuft. „Es gibt in Asien überall Märkte dieser Art, wie 7Eleven und Familymart. Wenn ich dort bin, dann geht für mich gar nichts ohne die, die verkaufen sogar Socken. AnyMart greift das auf, als ganz toller Film, aber dass der so voll wird, damit habe ich nicht gerechnet.“

Eine Matthias-Empfehlung anderer Art ist Buddy (2026) aus den USA, der am Freitag, den 11. September, um 21 Uhr läuft. „Darin geht es um ein Plüscheinhorn, das auf Kinder aufpasst, und wenn die nicht spuren, dann wird es auf derbe Weise ungemütlich. Der ist extrem lustig. Den kann man nicht mit Leviticus vergleichen, vom Filmischen her, aber das ist ein toller Trashfilm, alle werden Spaß haben in diesem vollen Kino.“

Immer da, immer hilfsbereit: Das Team der Residenz Astor Filmlounge (Copyright: Fantasy Filmfest)

Neben den Langfilmen im Programm gewinnt der Kurzfilm beim FFF immer mehr an Bedeutung. Tradition ist das Kurzfilmprogramm „Get Shorty“, das Produktionen aus aller Welt zeigt. Es gibt Kurzfilme als Vorprogramm, etwa Window Shopper (2026) von Kim-Fabio Klein vor der abgedrehten Komödie Vertiginous (2026) von FFF-Liebling Quentin Dupieux. Und in diesem Jahr gibt es erstmals in jeder Festivalstadt ein Filmhochschul-Kurzfilmprogramm, mit lokalen Spezialitäten. In Köln kooperiert das FFF dafür mit der Kunsthochschule für Medien.

„In den anderen Städten haben wir das ja schon länger; hier in Köln hat es etwas gedauert, ging zum Schluss dann aber ganz schnell, sodass wir das wir vier Arbeiten der KHM zeigen“, erzählt Matthias. „Die Regisseur*innen sind auch vor Ort, und auch Leute vom Team, wenn ich das richtig verstanden habe, außerdem die Dozentin. Das wird sicher großartig. Wobei unsere Kurzfilmprogramme wie ‚Get Shorty‘ ja eh immer toll sind, aber auf das hier haben echt lange hingearbeitet, damit das klappt, da bin ich ganz besonders stolz drauf.“

Kampfkunst-Action von Hongkong-Veteran Yuen Woo-Ping: Blades of the Guardians (Copyright: Splendid Film)

Ansonsten gibt es Langfilme für jeden Genre-Geschmack. Für Fans des klassischen Wuxia-Films hat Hongkong-Veteran Yuen Woo-Ping (Tiger Cage, 1988; In the Line of Duty IV, 1989; Iron Monkey, 1993) sein neues Kampfkunst-Epos Blades of the Guardians (2026) parat, mit Stars wie Jet Li und Tony Leung in Nebenrollen (Donnerstag, 10. September, 21.45 Uhr). Für Liebhaber des modernen Martial-Arts- und Action-Kinos gibt es mit Tristes Tropiques (2025) derbe Auftragsmörder- und Unterwelt_Verteilungskämpfe von Park Hoon-jung, der schon mit New World (2013) ein echtes Ausrufezeichen setzte (Freitag, 11. September, 21.30 Uhr). Für Freunde des abgedrehten Humors läuft die französische Komödie The Better Me (2025), in der ein Vorstädter mit Halbglatze und Schmerbauch in seinem neuen Nachbarn einen verbesserten Doppelgänger seiner selbst zu sehen glaubt (Mittwoch, 16. September, 14 Uhr). Für Connaisseure des Coming-of-Age-Thrillers hat das diesjährige Centerpiece The Plague (2024) einiges zu bieten, in dem zwei Jungen in einem Wasserballcamp Mobbing-Attacken ausgesetzt sind, was zu immer derberen Vorfällen führt (Sonntag, 13. September, 16.45 Uhr).

Matthias arbeitete ursprünglich für das inzwischen eingestellte Filmfestival Verzaubert, das wie das FFF von Rosebud Entertainment organisiert wurde. „Ich hab in München studiert. Die Rosebud-Leute kommen ja alle aus München. Eine Programmiererin, mit der ich befreundet war, Eva Wegner, hat damals beim Filmmuseum bei Enno Patalas gearbeitet. Als ich nach Bonn gezogen bin, haben die mich gefragt, ob ich die Werbeakquise und die Lokalbetreuung für Köln machen könnte“, blickt er zurück. „Zwei Jahre später bin ich dann auch beim Fantasy Filmfest eingestiegen. Das war ein bisschen überraschend. Der Andreas, der damals gemacht hat, meinte, er wär dann mal weg, und dann stand ich vor 500 Leuten und musste zwei Tickets nach Paris verlosen. Ich weiß nicht mehr, welcher Film das war, aber der Verleiher war Kinowelt. Seitdem mache ich das nur.“ Beim Kölner FFF ist Matthias also von Anfang an dabei.

Matthias Strunz (r.) mit weihnachtlich kostümiertem Festivalgast (Copyright: Fantasy Filmfest)

In dies er Zeit hat er auch einige Umbrüche miterlebt. Die Anzahl der Festivalstädte wuchs auf die mittlerweile sieben an, weitere Locations (wie Hannover) wurden ausprobiert, wegen mangelnden Erfolgs aber nur einmal bespielt. Auch technische Weiterentwicklungen gehörten dazu. „Ich hab diese ganze Umstellung mitgemacht von 35mm auf digital. Die Umstellung war schwierig, aber für uns natürlich auch toll. Einmal hing ein spanischer Film beim Zoll hier am Kölner Flughafen fest. Da musste ich diese dicke, schwere Rolle abholen und damit nach Berlin fliegen“, blickt er lachend zurück. Berlin macht traditionell den Anfang in der FFF-Städtetour. „Der Film lief eine Stunde nach meiner Ankunft und mein Standort wurde quasi live auf der Bühne durchgegeben. Ich wäre jetzt am großen Stern im Taxi, jetzt nur noch fünf Minuten entfernt, und so.“

Aus der Zeit der Filmrollen stammt die Struktur, dass das Festival zeitversetzt in verschiedenen Städten läuft, meist zeitgleich an zwei Orten. „Aus diesem Grund liefen Frankfurt und Köln parallel, damit die räumliche Entfernung für den Rollentausch während des Festivals möglichst gering war. Meine Lieblingsanekdote ist aus dieser Zeit. Wir hatten damals Fahrer, die das erledigt haben, und einer hat einen geilen Kerl gesehen und war dann mit den Filmkopien im Westerwald verschwunden. Das war echt der Knaller“, teilt Matthias seine Erfahrung.

Festivalbesucher*innen mit Masken der Gruselpuppe Annabelle aus der gleichnamigen Filmreihe (Copyright: Fantasy Filmfest)

Nicht nur der Rollentausch entfällt und damit auch die unterschiedliche Programmierung für jede einzelne Festivalstadt. Auch andere technische Probleme gehören damit der Vergangenheit an, wie Matthias zu berichten weiß: „Damals mussten die Kurzfilmprogramme ja noch zusammengebaut werden, auf diesem Teller. Und einmal ist der Zusammenbau schief gegangen, da liefen die Filme von hinten nach vorne und von oben nach unten.“

Mit Blick auf das diesjährige Festival erwartet der Festivalmacher eine besonders erfolgreiche Ausgabe. „Festivalausgaben laufen ja immer unterschiedlich. Vorletztes Jahr kamen solche Massen, da wusste ich gar nicht, wo mir der Kopf steht, letztes Jahr war es nicht so viel, dieses Jahr ist wieder der große Ansturm. Das liegt an den Filmen; gesehen hat die meist natürlich kaum jemand aus dem Publikum, aber es geht um den Hype. Weil ein bekannter Regisseur dahintersteckt, weil der Film so lange zurückgehalten wurde oder so. Das spricht sich im Internet rum und sorgt für den Ansturm.“

Die acht Tage des FFF-Jubiläums versprechen auf jeden Fall wieder eine bunte Wundertüte des Genrekinos, vom surreal-komödiantischer Phantastik bis hin zum blutig-dreckigen Splatterhorror. Auch wenn für manche Highlights keine Karten mehr zu bekommen sind.

Mehr zum Programm und zum Ticketerwerb gibt es auf der Homepage des Festivals.

Header: Buddy (Copyright: Worry Well Productions)

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